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| Wie führe ich ein Zeitzeugengespräch? |
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Falls du die Möglichkeit hast, mit einem Zeitzeugen ein Gespräch oder ein Interview zu führen, kannst du dabei viele neue und interessante Dinge erfahren. So kann dir ein Zeitzeuge von seinen ganz persönlichen Erfahrungen und Erlebnissen zu einem bestimmten Thema berichten. Du bekommst damit die Chance, Geschichte nicht immer nur in Büchern nachzulesen, sondern sie durch lebendige Erzählungen, Fragen und Antworten zu erleben. Da du bei dieser Gelegenheit eigene Fragen stellen kannst, lohnt es sich, gut vorbereitet in das Gespräch/ Interview zu gehen. Dafür möchten wir dir gern einige Tipps mit auf den Weg geben... VORBEREITUNG Persönlicher Hintergrund: Informiere dich erst einmal möglichst genau über deinen Zeitzeugen und seine persönlichen Hintergründe. Wenn es bekannte, in der Öffentlichkeit stehende Personen sind, kannst du sie erst einmal googeln, ansonsten fragst du Freunde, Lehrer oder Bekannte, die ihn oder sie eventuell kennen. Folgende Punkte solltest du schon im Voraus klären: * Vor- und Nachname, Alter, Familienstand und Wohnort des Zeitzeugen * Hat dein Gesprächspartner in der ehemaligen DDR oder in der Bundesrepublik gelebt? * Wie alt war er/sie als die Mauer 1989 fiel? * Welche berufliche Stellung hat/hatte dein Zeitzeuge? War er oder sie politisch engagiert? Historischer Hintergrund: Es ist wichtig, dass du über die geschichtlichen Hintergründe und die besonderen Ereignisse rund um den Herbst 1989 Bescheid weißt. Nur so kannst du nachvollziehen, wovon dein Zeitzeuge gerade spricht, wenn er Begriffe wie zum Beispiel „Mauerfall", „Wende" oder auch „Wiedervereinigung" verwendet. Das heißt, du solltest dich im Voraus unbedingt mit diesen und anderen wichtigen Begriffen und Daten vertraut machen. Dabei kann dir vielleicht unsere Linkliste weiterhelfen, wo du viele nützliche Internetadressen aufgelistet findest. Notizen: Du kannst dir zu den persönlichen und historischen Hintergründen ruhig stichpunktartige Notizen machen. Es ist auch sinnvoll, wenn du dir im Vorfeld überlegst, was dich besonders interessiert und was du von deinem Zeitzeugen überhaupt wissen möchtest. Dazu kannst du dir auch schon einige Fragen oder Stichpunkte notieren. Zur Vorbereitung zählt es auch, dass du für das Interview gut ausgerüstet bist. Nimm dir also auf jeden Fall Papier und Stift mit, damit du dir auch während des Gesprächs Notizen machen kannst. Am besten wäre es, wenn du das Interview aufnehmen kannst, z. B. mit einem Tonbandgerät oder einer Kamera. So könntest du dir das Gesprochene hinterher mehrmals anhören bzw. ansehen. Wenn du das Interview aufzeichnen möchtest, musst du deinen Gesprächspartner vorher aber unbedingt um seine Erlaubnis dazu bitten. INTERVIEWFÜHRUNG Einstieg: Zu Beginn solltest du versuchen eine lockere und entspannte Gesprächsatmosphäre zu schaffen. Dazu kannst du dich deinem Gesprächspartner erst einmal vorstellen und ihn oder sie begrüßen. Du kannst ihm/ ihr ein paar ganz allgemeine Fragen stellen oder erzählen, dass du dich auf dieses Interview freust, aber noch ein wenig aufgeregt bist etc. Das alles muss also noch nichts mit dem eigentlichen Thema des Interviews zu tun haben. Es ist aber hilfreich, um einander kennen zu lernen und um möglichst ohne große Aufregung das Interview starten zu können. Fragen stellen: Du kannst deinem Zeitzeugen nun verschiedene Fragen zu den Geschehnissen vom Herbst 1989 stellen. Es ist sinnvoll, sich Zeit und Ort immer genau beschreiben zu lassen, damit du später nicht durcheinander gerätst. Denke an deine Notizen und die Fragen, die du dir vorher überlegt hast. Daran kannst du dich während des Interviews orientieren. Sei aber auch bereit dazu, von diesen Fragen unter Umständen abzuweichen, wenn sich das Gespräch in eine andere interessante Richtung entwickelt. Deine Fragen können als klassische W-Fragen (Was? Wer? Wann? Wo? Wie? Warum?) oder auch als konkrete „Ja-Nein-Fragen" formuliert sein. Nachfragen: Dir wird vielleicht auffallen, dass es manchmal schwierig ist eine klare und eindeutige Antwort auf eine Frage zu bekommen. Gerade ältere Zeitzeugen erzählen häufig sehr ausschweifend und kommen so eventuell vom eigentlichen Thema ab. Dafür solltest du Verständnis haben und versuchen durch gezieltes Nachfragen auf deine Fragestellung zurück zu kommen. Bei so einem Interview ist es also sehr wichtig, dass du als Interviewführer viel Zeit für die Erzählungen deines Zeitzeugen hast und ihm/ ihr aufmerksam zuhörst. Denn so kannst du oftmals viele spannende und interessante Details erfahren, die einen Zeitzeugenbericht erst besonders machen. NACHBEREITUNG Auswertung: Nach dem Interview fertigst du eine Niederschrift des Interviews an, die aber nicht wortwörtlich sein muss. Du solltest darin vielmehr die für dich wichtigsten Fragen und Antworten zusammenfassen. Wichtig ist es, dabei so originalgetreu wie möglich am gesprochenen Wort des Zeitzeugen zu bleiben. Gleichzeitig solltest du jedoch Füllwörter wie „Ähm" oder „Hmmh" weglassen und eventuell vorhandene grammatikalische Fehler korrigieren. Zusätzlich kannst du auch Beschreibungen der Gestik des Interviewten, wie z. B. „nickt zustimmend", „schüttelt den Kopf" usw., einfügen, um deinen Text lebendiger zu gestalten. Sobald du jedoch deine eigene Meinung äußerst oder Bewertungen vornimmst, musst du dies deutlich kennzeichnen. Wenn du möchtest, kannst du außerdem eine kurze Einleitung oder Inhaltsangabe verfassen und deinem Bericht voranstellen. Das wäre vor allem bei sehr langen Interviews oder bei Gesprächen mit vielen Beteiligten hilfreich. Vor der Veröffentlichung: Nachdem du alles aufgeschrieben hast, lässt du deinen Text am besten von einem Außenstehenden noch mal durchlesen. So erfährst du, ob dein Bericht insgesamt verständlich und schlüssig erscheint. Vor einer Veröffentlichung (z. B. im Internet) solltest du deinen Text unbedingt von deinem Zeitzeugen autorisieren, also freigeben lassen. |