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Als am 9.11.1989 die Grenzen aufgingen, konnten wir es gar nicht so recht glauben. Ich weiß noch genau, dass es ein Donnerstag war. Am nächsten Tag musste ich auf Dienstreise nach Leipzig, dort war MMM und ich als BfN-Leiter hatte das Privileg, jedes Jahr dorthin zu dürfen. Somit hatte ich keine Gelegenheit, mich mit meinen Kollegen über das Ereignis zu unterhalten. Ich sah nur auf der Messe die Leute in Trauben vor den Monitoren stehen und schaute auch bisschen mit zu. Dann machte ich noch einen kleinen Rutsch durch das Leipziger Warenhaus (wie immer auf der Suche nach einer Schlange, an die ich mich anstellen konnte in der Hoffnung, dass es was Besonderes gab), wo ich eine Brotschneidemaschine für schlappe 160 M erstand. Dass ich die bald viel billiger bekommen würde, fiel mir im Traum nicht ein. Am Abend des Tages ging es mit den Kindern in die Stadt zu Martini, wir gingen zur Herder-Kirche mitten in der City von Weimar, wo alle Kinder mit ihren Lampions hinkamen. Es gab nur einen Gesprächsstoff, die offene Grenze und wie man am schnellsten rüber käme. Die wildesten Gerüchte gingen um, die Grenzen würden wieder geschlossen, man hatte das Gefühl, wenn du dich jetzt nicht auf die Strümpfe machst, bist du schon tot. Am gleichen Abend fuhren wir noch rum, um Kraftstoff für unseren dreifarbigen 12 Jahre jungen Trabbi zu bekommen, überall lange Schlangen. Auf der Autobahn bei Eckelborn hatten wir dann Glück, wir füllten außerdem 4 Kanister.
Am nächsten Tag (Samstag war noch Schule) setzten wir die Kinder und uns ins Auto und es ging los in Richtung Wiesbaden, ich glaube die Schulen waren an diesem Samstag fast leer.... Wo Wiesbaden genau ist, hatten wir uns erst kurz vorher auf der Karte angesehen, dass es nur 300 km waren, konnten wir nicht fassen. Und dieser Fahrt war eigentlich bis zur Grenze ein einziger100-km langer Stau, wir fuhren in Weimar ca. neun Uhr los, und ständig ging es nicht weiter. Es bildeten sich nette Gesprächsrunden in immer wieder neuer Zusammensetzung auf der Autobahn. An der Grenze waren wir, als es langsam dunkel wurde, dann hatten wir immer noch 200 km vor uns. Ich muss dazu sagen, wenn der Trabbi stand, dann heizte er nicht, es war teilweise bitter kalt, aber die Kinder riefen immer von hinten, wir wollen zur Tante Heidi. Genau am Grenzpunkt fing eine Zündkerze an zu stottern, so dass wir nur mit halber Kraft in den Westen kamen. Dort machten wir erstmal auf einem Rastplatz halt. Mein Mann schüttete das Gemisch aus dem Benzinkanister in den Tank, da schenkte ihm schon mal ein Fremder 20 DM. Die Freude war groß. Unterwegs winkte uns ein Porschefahrer auf den nächsten PP, wir dachten, mit dem Auto wäre schon wieder was, aber nein, er schenkte uns 100 DM, wir sollten den Kindern was schönes Kaufen. Für uns unfassbar. Endlich gegen 24.00 Uhr fuhren wir in WI ein, vorher hatte uns auf der Autobahn noch so ein flotter Autofahrer genau beäugt, er überholte uns, ließ sich zurückfallen, und schaute uns ganz genau an und hupte wie ein Irrer, war schon komisch.
Treffpunkt in WI war der Bahnhof, den fanden wir, aber natürlich stand da niemand, ja wie lange hätte da auch jemand auf uns warten sollen, also anrufen. Aber in der Tasche hatte ich nur Forumschecks, kein Kleingeld. Aber ich fand jemanden, der uns Kleingeld schenkte.
Das Wiedersehen mit der Familie war groß, ich glaube, wir gingen erst mit dem Hell-Werden ins Bett. Ich träumte einige Nächte nur von Stopp-Rücklichtern. Diese Fahrt werden wir nie vergessen.
Evi Wicht aus jetzt Wiesbaden, aber in Weimar geboren
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