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Im Vorfeld des 40. Jahrestages der DDR bekam ich den Auftrag vom „Haus der Kultur Erfurt" in Ungarn an der Präsentation des Bezirks Erfurt im „Kultur - und Informationszentrum der DDR" mitzuwirken, das sich im Zentrum von Budapest befand. Es handelte sich um eine attraktive Schau von Thüringer Produkten wie Porzellan, Blumen, Mikroelektronik, dem PKW „Wartburg", Strickmoden und IFA Motoren, um nur einiges zu nennen.
Mit diesen Erzeugnissen im Gepäck sind wir in einem Team von viel Leuten sowie Mitarbeitern der IGA und des Schlossmuseums Gotha aufgebrochen.
Das wir die DDR zum letzten Mal im Ausland präsentieren durften war uns damals noch nicht bewusst. In Budapest angekommen, war der Wandel schon voll im Gange. Rote Sterne wurden von den Dächern öffentlicher >Gebäude demontiert und in den Geschäftsstraßen Coca-Cola Werbung montiert. Im Radio hörten wir währenddessen von den ersten zaghaften Demos in Erfurt. Trotzdem wurde die Ausstellung mit Erfolg eröffnet. Wie ja auch später die Jubelschau am 7.Oktober durchgezogen wurde. Als wir Ende Oktober zum Abbau der Ausstellung nach Budapest flogen, war das Flugzeug bis auf den letzten Platz besetzt. Auf dem Rückflug war unser Team so gut wie allein in der Maschine. Auch wir hatten vom Fahrer des Informationszentrums in Budapest das Angebot bekommen, nicht zum Flughafen, sondern gleich über die geöffnete Grenze nach Wien zu fahren. Es war schon verrückt. Da hat man viele Jahre lang den Drang nach „Drüben" gehabt und nun ging uns das alles viel zu schnell. Wir wollten erstmal mit den Ausstellungsstücken zurück nach Erfurt. Hier angekommen wurden wir für die erfolgreiche Ausstellung vom „Rat des Bezirkes" mit der Medaille für „Verdienste um die Freundschaft der Völker" ausgezeichnet. Mit der Bitte, diesen Orden nicht wieder zurück zu schicken. Das war die Zeit, als viele Ordensträger ihre Auszeichnung zurück gaben, weil sie nicht mehr mit dieser DDR übereinstimmten. Wir haben das nicht getan, denn dank Schabowski konnten wir ja nun die Völkerfreundschaft in alle Himmelsrichtungen ausleben. In Erfurt hatte sich inzwischen eine Menge getan. Demos wurden jetzt wöchentlich durchgeführt. Ich war als Leiter des Werbeabteilung der „Städtische Bühnen Erfurt" beschäftige. Fast alle Kolleginnen und Kollegen des Opern - und Schauspielensembles haben sich aktiv an den Demos beteiligt und ihre ganz persönlichen Spruchbänder in Auftrag gegeben. Das war natürlich auch eine Materialfrage! Da aber viele Festakte der SED, Zollverwaltung, NVA und des MfS in unseren Häusern stattfanden und ich oft mit der Bühnengestaltung beauftragt wurde, konnte ich „einige" Meter Fahnenstoff , der reichlich von der DEWAG geliefert wurde, „abzweigen". Allerdings nicht in der Absicht, sie für „Wendelosungen" zu nutzen, sondern unseren spärlichen Werbeetat zu entlasten. Nun habe ich meine „Tat" als ganz nützlich befunden, denn somit hatte uns die Stasi mit Material für ihren eigenen Sturz versorgt. In einer Mangelwirtschaft muss man sich über eine solche Beschaffungsmentalität nicht wundern. Ein Opernsänger bestellte bei mir einige Losungen für die Demo. Text: „Vorwärts zu neunen Rücktritten" oder „Mehr Licht ins Dunkel der Staatssicherheit"! Später erfuhren wir, dass der Auftraggeber selbst ein IM (Inoffizieller Mitarbeiter der Staatssicherheit) war. Auch in Budapest waren wir in Begleitung eines „Aufpassers". Die Wächter dieses maroden Systems und der eingemauerten Demokratie konnte aber dieses Land auch nicht mehr retten.
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