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Die Bäckerei Nagel liegt gleich neben der berühmten Bachkirche von Arnstadt und ist schon seit vier Generationen im Familienbesitz. Hat alle Unbilden der Zeit überdauert. Beate Nagel: „In der DDR ging es uns als Bäcker eigentlich nicht schlecht. Aber es gab halt damals keine Freiheit. Meine Schwester und ihr Mann hatten einen Ausreiseantrag gestellt und wurden deswegen schikaniert. Er verlor seinen Job als Diplomingenieur, musste als Steinmetz Steine klopfen. Sie durfte nicht mehr Krankenschwester sein. Ich selbst wollte gar nicht nach drüben, sondern hier zu Hause ein bisschen mehr Freiheiten.“
Ermutigt von einem anonymen Flugblatt, das eines Morgens an vielen Häuserwänden klebte (siehe nächste Seite den Bericht über den Zeitzeugen Günther Sattler), treffen sich am Sonnabend, dem 30. September 1989, zum ersten Mal auch in Arnstadt 200 Menschen zu einer Demo. Stasi und Polizei sind präsent, filmen die Demonstranten, lassen sie aber friedlich ziehen. Dadurch ermutigt, verabreden sich die Menschen, sich auch am nächsten Sonnabend wieder zu einer Demo zu treffen. Sieben Tage später. Es ist ausgerechnet der 7. Oktober, der 40. Jahrestag der DDR. Während Honecker sich in Berlin feiern lässt, trifft sich Beate Nagel mit Freunden. Sie beschließen: „Wir gehen zu der Demo. Und diesmal nehmen wir ein Transparent mit!“ In ihrer Backstube breitet Beate Nagel ein altes Betttuch aus, überlegt kurz und schreibt dann in großen Lettern drauf: »Wir wollen Reformen«. Wenig später ziehen Hunderte von Arnstädtern, auch Beate Nagel, mit diesem Transparent vorne weg durch die Altstadt und rufen »Gorbatschow! Gorbatschow!« Beate Nagel: „Plötzlich war überall Polizei, aus allen Seitengassen kamen sie mit Schlagstöcken und Hunden. Ich war die Erste, die verhaftet wurde.“ Zunächst kommt sie wieder frei. Doch am nächsten Mittag, sie macht für ihre Familie gerade die Sonntagsklöße, steht die Stasi vor der Tür. Als angebliche »Rädelsführerin« landet sie im Stasi-Knast in Erfurt. Beate Nagel: „Sie drohten mir, ich käme für sieben Jahre in den Knast. Ich hatte furchtbare Angst. Aber den Mund wollte ich mir von diesen Leuten nicht verbieten lassen. Ich sagte denen: Was ist denn das hier für ein Staat, in dem man sieben Jahre eingesperrt wird, weil man ein Betttuch bemalt hat?“ Dann bieten ihr die Stasi-Leute an, sie könne sofort in den Westen. Beate Nagel lehnt ab, sie will nicht nach „drüben“. Sie will nur wieder nach Hause zu ihrer Familie. Nach fünf Tagen lassen die Stasi-Leute sie wieder laufen. „Ich musste denen noch versprechen, nicht wieder zur Demo zu gehen. Daran habe ich mich natürlich nicht gehalten, schon bei der nächsten Demo war ich wieder mit dabei. Es musste sich doch endlich etwas ändern?...“
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Beate Nagel vor ihrer Bäckerei in Arnstadt

Beate Nagel: "Sie legten mir Handschellen an"

Von der Stasi infaftiert
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