Mein Herbst 89 - Erlebnisberichte
 
Eine Aktion von
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Schirmherr der Aktion
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BM Wolfgang Tiefensee
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Renate Päller: Wisst ihr noch?

Diese Verse, die meine Freundin (ein echtes DDR-Kind aus Altenburg) schrieb, finde ich sehr treffend:


Der Sozialismus – Deine Welt

Zu DDR-Zeit war des Eltern Pflicht,
dass jedes Kind proletarisch erzogen ist.
Im frühen Alter begann man damit
Wer Karl Marx, Friedrich Engels und W.I. Lenin ist.

Deren Bilder hingen überall an der Wand
Erich Honecker war den Kindern genauso bekannt.
Gelehrig brachte man dies jedem Kind bei
Regierungswille – so sollte es sein.

Sehr bald schon besuchte jedes Kind
Kindertagesstätten, wo sie gut aufgehoben sind.
Müde und weinend gab man die Kinder dort ab
Abgehetzt die Mamas und das Kind schon schlapp.

Mit Malen, Singen, Spielen und Sport
Fuhr man dort mit der Erziehung fort.
Nach Vaterstaatswillen reifte jedes Kind heran
So, wie es Ernst Thälmann hat getan.

Mit Figuren wir Pittiplatsch und Schnatterinchen,
Herr Fuchs und Frau Elster und Majabienchen
Sandmännchen und Puppendoktor Pille
Hatte man leider nicht viel im Sinne.

In der Schule war’s noch viel schlimmer
Um Kommunismus drehte es sich immer.
Egal ob Plastikbeutel oder Bundiband
All diese Dinge wurden ganz schnell verbannt.

Jung- oder Ernst Thälmannpionier wurde man dann
Wenn man an der Manifestation teilnahm.
FDJler zu werden, dafür musste man was tun
Teilnahme am Fackelumzug und ein Gelöbnis dazu.

Beim Morgenapell gab man klassenweise Rapport
Stillgestanden im Pionier- oder FDJ-Hemd dort.

Der Schultag mit einem proletarischen Lied
Die Lehrer und Schüler sangen auch fleißig mit.

Verhielt sich mal ein Schüler undiszipliniert
Ein Eintrag ins Muttihelft wurde an die Eltern zitiert.
Denn mit der Erziehung haut’s wohl nicht so hin
Im Arbeiter- und Bauernstaat war so was nicht drin.

Mit den staatlich- und wirtschaftsleitenden Organen
Konnte ein jeder seine Berufswahl planen.
Anregungen gab es im polytechnischen Unterricht
Jedoch den Berufswunsch erfüllte man nicht.

Gekürt und geehrt zu einem Staatsfeiertag
Wurden fleißige Arbeiter und Mitglieder vom Staatsapparat.
Voraussetzung dafür war gesellschaftliche Aktivität,
Teamgeist und hohe Einsatzbereitschaft im Betrieb.

Ausgezeichnet wurde der ein oder andre
Als „Aktivist der Ersten Stunde"

Fester Klassenstandpunkt und Parteizugehörigkeit
Brachten dich dann ganz schön weit.

Ein dickes Lob erhielt man dann,
wenn man jemand für die Stasi gewann.
Skrupellos entstand anonymer Verrat
Unter dem Volk für den sozialistischen Staat.

Für aktive Parteiarbeit in der SED
War ein jeder ein angesehenes Mitglied.
Da war man eben ein richtiger Kommunist
Weil man gegen den Imperialismus ist.

Die Betriebsgewerkschaft organisierte ganz karg
Rege Teilnahme für den 1.Mai-Feiertag.
Für eine Ostmark erhielt man dann
Eine rote Plastikmainelke für die Jacke dran.

Aufmarschiert im Gleichschritt, mit Jubel und Geschrei
Zog man winkend in Blöcken an der Ost-Tribüne vorbei.
In Reih und Glied winkten von dort aus zurück
Hohe Bonzen, sie kämpften aktiv für diese Politik.

Als Kampfgenosse betrachteten sie sich,
Mit wehender Arbeiterfahne und stolzem Blick.
Mit Ruhm und Stolz schmückten sie ihre Jacke
Mit all ihren Ehrennadeln für die Feiertagskacke.

Vorbei ist der Spuk, gestürzt ist die Partei
Millionen von Menschen wurden nun frei.
Können frei atmen und ihr Leben macht Sinn
In diese Gesellschaft will wohl keiner mehr hin.


Text: Rita Zentsch-Brams

 


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