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Am 5.Oktober 1989 wurden in der im Plauener Norden gelegenen evangelisch-lutherischen Markuskirche zwei direkt aufeinander folgende Friedensandachten gehalten. Etwa 2000 Menschen fanden den Weg dahin. Beim zweiten Mal öffneten die Verantwortlichen die Kirchentüren weit, da einfach zu viele draußen warteten, für die vorher kein Platz war. Christen und Nichtchristen wurde in einer Situation von demütigender Angst, Zweifeln, und Wut Zuflucht gewährt. Die Erwartungen der in Alter und Beruf völlig verschiedenen Gottesdienstbesucher waren damals natürlich gemischt. Gespannt und irgendwie auch Ruhe findend in dieser hektischen Zeit lauschten die Menschen den Pfarrern. In den Kirchenbänken saß man dicht an dicht. Doch trotz der Enge war es ganz still. Gemeindemitglied Steffen Kollwitz gab bekannt: „Wir haben das Neue Forum gegründet." Er hatte 60 Postkarten, auf denen - man konnte sich denken - zu eben diesem Zwecke zu einem Arbeitstreffen eingeladen wurde. Wie ein Lauffeuer sprach sich wenig später herum, dass in der Markuskirche etwas passieren würde. Der 7.Oktober, Tag der Republik, ist ein schöner Herbsttag, ich habe frei. Mit der Straßenbahn fahre ich in das Zentrum von Plauen. Am Tunnel, ein großer Platz und Stützpunkt aller 6 Straßenbahnlinien. Es ist kurz nach Mittag, wenige Plauener befinden sich an der Haltestelle. Nach und nach werden es mehr Menschen, alle pilgern der Platzmitte zu. Dicht an dicht stehen jetzt Familien mit Kindern, Männer, Frauen, Alt und Jung, eine eigentümliche Stille unter den Menschen. Alle strebten dem großen Gebäude „Rat der Stadt" zu. Da durchbrach eine kräftige Stimme die Still: „Wir sind das Volk, wir sind das Volk" Alle stimmten ein. Vor dem Rat der Stadt ist die Kampfgruppe aufmarschiert, ausgerüstet mit Schutzschildern und bewaffnet warten sie auf den Befehl einzugreifen. Die Menschen standen furchtlos davor, immer wieder die Parole - „Wir sind das Volk". Plötzlich ein ohrenbetäubender Lärm. Ein Hubschrauber kreiste über dem Platz, Immer, immer wieder, es war furchtbar. Die freiwillige Feuerwehr von Plauen traf ein und ließ den Wassermassen freien Lauf ohne Rücksicht auf Kinder und Babys im Kinderwagen. Keiner der Demonstrierenden verließ den Platz. Die Kampfgruppen standen da und warteten auf Befehl zum Eingreifen.
Der Befehl kam immer noch nicht.
Herr Superintendent Dr. Thomas Küttler kam aus der nahe liegenden Lutherkirche, er sprach mit den Männern der Kampfgruppe. Eindringliche Worte fand er und fragte sie ob sie auf Mütter, ihre Kinder, ihre Väter und Frauen schießen wollen? Die Männer standen still, einige von ihnen senkten den Kopf. Doch plötzlich löste sich die Formierung auf und einer nach dem anderen verließ den Rathausplatz friedlich. Es kam kein Befehl! Das war der Anfang der friedlichen Demo immer samstags in Plauen. Vor der Lutherkirche brennen hunderte von Kerzen, wenn eine verlosch wurden immer weitere angezündet.
Das Licht der Kerzen leuchtete bis zur Grenzöffnung bei Hof am 09.11.89. Die erste Versammlung vom „Neuen Forum" fand nach der 1. Demo statt. Das Kulturhaus ‚Luna' stellte den großen Saal zur Verfügung, der reichte nicht aus, die Menschen standen auf den Treppen bis zur Ausgangstür. Viele hundert Bürger trugen sich auf die Spendenliste vom „Neuen Forum" ein. Es kamen 4000,- M (DDR) zusammen. Der große Pappkarton war vollgestopft mit Banknoten. Die Begründer des „Neuen Forums" wählten zwei Mitglieder aus, sie sollten ein Konto eröffnen, ich war damals gewählter Schriftführer und 55 Jahre alt. Mit einem jungen Mitglied und dem ‚Karton' machen wir uns auf den Weg zu Bank. Dort nahm das Geld nicht ab, das „Neue Forum" ist nicht bekannt. Weiter fuhren wir zu einer Sparkasse, auch dort eine Absage. Wir hatten nur ein altes Auto, das wollte auch nicht mehr fahren. Also liefen wir mit dem Geldkarton weiter auf Kontosuche. Eine große Sparkasse gab es noch, wir nahmen uns vor dort nicht ohne Konto wegzugehen. Natürlich wollten uns die Angestellten abweisen aber ich verlangt den Sparkassenleiter zu sprechen, eher verlassen wir nicht das haus, wir haben hier im Karton sehr viel Spendengeld der Plauener Bürger. Nach einer längeren Wartezeit führte uns ein Angestellter eine Treppe nach oben, dort empfing uns der Sparkassenleiter und bot uns einen Platz an. Er wollte die Zusammenhänge der Spendengelder wissen. Wir haben lange erzählt und diskutiert. Danach rief er die Hauptzentrale in Berlin an. Nach zweistündigem Warten auf den Rückruf aus Berlin hatten wir ein Konto für das „Neue Forum" in Plauen. Am 7.Oktober 1999 wurde Herr Superintendent Thomas Küttler für sein Engagement am 7.Oktober 1989 und während der friedlichen Revolution zum Ehrenbürger ernannt.
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