|
03.Oktober 1989,mein Mann und ein Freund fahren früh zeitig mit unserem Wartburg in Richtung Prag. Wir wollten das damalige Angebot von Rechtsanwalt Vogel in Anspruch nehmen, das jeder der sich in der Botschaft befindet mit Fam. innerhalb der nächsten 14 Tage ausreisen darf.
Also verabschiedeten wir uns an diesem 03.Okt. mit guter Hoffnung. Doch es kam alles anders. Als ich ( 2 kleine Kinder 3 + 7 Jahre ) 2 Tage später zur Kasse ging um Geld für Lebensmittel zu holen waren alle beide Konten gesperrt. Es kam zu einer heftigen Auseinandersetzung. Ich sagte, dass ich 2 kleine Kinder habe die etwas zu Essen brauchen, doch das interessierte niemanden. Darauf hin wollte ich unsere LV kündigen. Doch auch dieses Geld war vom Staat einkassiert worden. Bis dahin wurde mir auch von niemandem gesagt warum. Ich verkaufte Möbel und gute Dekosachen damit ich etwas Geld hatte um Essen zu kaufen.
Den Montag danach hatte ich mit meinem Mann einen Termin wegen unserem Ausreiseantrag - Abt. Inneres -. Da mein Mann nicht da war und ich bis dahin auch kein Lebenszeichen von Ihm hatte ging ich also allein zu diesem Termin. Als ich dieses Zimmer betrat lief mir ein kalter Schauer über meinen Rücken. Eine Frau mit strenger Frisur und kalter Mine stand vor mir. Ich musste mich setzen und Sie fragte wo mein Mann sei. Er hätte doch schließlich auch eine Vorladung. Ich sagte, dass er mit einem Freund zum angeln nach CSSR gefahren ist und das er sich noch nicht gemeldet hatte. Und plötzlich fing Sie an zu schreien wie von der Tarantel gestochen. "Wollen Sie mich verarschen, wir wissen genau wo er ist und Sie wissen es auch." Ich sagte dann immer wieder, dass er zum Angeln ist. Sie fing an Ihn schlecht zu machen und ich sollte mich scheiden lassen, sie leitet alles in die Wege , in ein paar Stunden wäre alles durch, und ich könnte in der DDR ein sorgenfreies Leben mit meinen Kindern führen. Es war grauenvoll und ich schüttelte dann nur noch den Kopf und sagte nein. Sie sagte, dass ich dies noch bereuen werde und wenn das meine Entscheidung ist dann könnte sie mir jetzt auch nicht mehr helfen. Von da aus musste ich direkt zur Kripo, eine Vermisstenanzeige aufgeben. Warum auch immer. Und von der Kripo wurde ich von der Stasi abgeholt wo ich mich erinnere das wir das Gebäude nicht verließen, sondern eine Treppe wie in einen unterirdischen Bunker nach unten gingen. Wir gingen einen Gang entlang, ich musste mich wegdrehen weil eine Stahltür mit Code geöffnet wurde. Dann musste ich mich an einen kleinen Tisch mit schmutzigem Kaffeegeschirr setzen. Ich wurde von einer Person über 3 Std. verhört, angeschrien und eingeschüchtert. Man drohte mir ich solle auf meine Kinder aufpassen u.s.w. Meine Zähne schlugen vor Angst ständig aufeinander.
Ich nahm meinen Sohn aus dem Kindergarten, brachte meine Tochter zur Schule und holte sie wieder ab, ich schloss auch tagsüber die Wohnung von innen zu und bei jedem klingeln zuckte ich zusammen.
Dann kam die Vermögensteilung. Alles was ich besaß also vom Kaffeelöffel bis zur Schrankwand musste ich in 7-facher Ausführung mit Kaufdatum und Neupreis aufführen. Die Hälfte des Errechneten ( also der Anteil meines Mannes ) hätte ich erst an den Staat abzahlen müssen dann erst hätte ich ausreisen dürfen. Dann kam die Kündigung der Wohnung (Neubaugebiet - Betonklotz )innerhalb einer Woche raus. Alles abmelden, Strom, Wasser, Post u.s.w. Ich habe einfach nur noch funktioniert. Dann endlich fiel die Mauer. Wir wohnten die restliche Zeit bei meiner Schwiegermutter. Als ich endlich meinen Stempel für einmalige Ausreise holen konnte, wollte ich einfach nicht glauben was ich sah als ich dieses Zimmer betrat. Der selbe Mensch der mich die 3 Std. gequält hatte saß da als Freundlichkeit in Person und gab mir den Stempel mit seiner Unterschrift in meinen Personalausweis. Ich hatte einen Kloß im Hals, mir standen die Tränen in den Augen und ich brachte kein Wort heraus. Ich wollte nur noch weg, weit weg.
|
|

|