Mein Herbst 89 - Erlebnisberichte
 
Eine Aktion von
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Schirmherr der Aktion
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BM Wolfgang Tiefensee
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Susi Walter: Angst und Mut

September 1989: Ich wohnte und studierte im Leipziger Umland. Montags wurden die Internate abgesperrt, aber wir kletterten über die Feuerleiter, um zur Montagsdemo zu kommen. Es war aufregend, aber auch beängstigend, dort mitzulaufen. Es war eine gespenstische und sehr angespannte Atmosphäre. Anfangs wurde uns als Erstes gesagt, dass wir niemals das Gesicht nach oben heben sollen, da die Stasi auf den Dächern sitzt und Filmaufnahmen und Fotos machen würde. Das machte mir schon Angst.
Beeindruckt war ich von den mutigen Studentinnen, die sich trotz Protest der Polizei mit ihren Babys im Arm auf die abgesperrten Stufen eines Gebäudes setzten, von dem ich annahm, dass es sich um ein Gebäude der Stasi oder der Polizei handelte. Auch die Polizisten waren total überfordert und vermutlich hatten sie auch nicht mit ausschließlich friedlichen Protesten gerechnet, denn so konnte ihnen ja niemand einreden, sie müssten ihren Staat verteidigen.
Schade finde ich, dass viele heute wieder vergessen haben, welche Angst und welchen Mut wir in dieser Zeit hatten und alles nur noch „schön reden". Sicher gab es auch viele schöne Zeiten und Dinge in der DDR, aber eben nur an der Oberfläche...


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