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Im Herbst 89 war unsere Familie unschlüssig, den geplanten Urlaub mit einem befreundeten Ehepaar nach Sotschi anzutreten. Doch die Reise war aus Anlass der Silberhochzeit unseres befreundeten Ehepaares geplant und wir wollten mit. Zu Hause war unser noch 17 jähriger Sohn und bei der Armee unser anderer Sohn.
Wir warnten unseren Jüngeren, nicht zur Montagsdemo zu gehen. Wir ahnten die Gefahr. Am 2. Oktober, einem Montag, flogen wir ab. In Sotschi trafen wir uns noch mit unseren Verwandten aus Wiesbaden und redeten heimlich über die vergangenen Ereignisse. Fernsehen und Rundfunk hatten wir dort nicht und so waren wir voller Unruhe, was zu Hause los war.
Nach einer Woche ging am Badestrand eine von Urlaubern mitgebrachte Zeitung „Neues Deutschland“ von Hand zu Hand. In der einen Zeitung spürte man schon Veränderung und leichte Andeutungen in den Kommentaren. Aber von den anderen Ereignissen wussten wir nichts.
Im Urlaub wurde, vom Reisebüro organisiert, noch der 40. Jahrestag der DDR für alle DDR Bürger aus den Hotels „gefeiert“. Am 14. Oktober, wieder ein Montag, kamen wir abends in Leipzig an, es war ruhig in den Straßen und von einer Demo nichts zu sehen.
Zu Hause schalteten wir das Radio ein und hörten einen Kommentar zu der Dontagsdemo, sowie weitere Stimmen von den Demonstranten. Ich fing sofort an zu heulen, so etwas hatten wir nicht erwartet. Uns lief es warm und kalt über den Rücken. Wir weinten vor Erleichterung und Freude über die Ereignisse! Dann erst hatten wir Zeit, das ARD zu schauen und uns ein Bild über die letzten 14 Tage zu machen. Zwei Tage später trat Honni zurück und wir gingen ohne Angst zur nächsten Montagsdemo, zu den 100 000 Menschen in Leipzig.
Als unser Sohn 18 wurde, beichtete er uns, dass er dann doch an dem 2. Oktober zur Montagsdemo ging und von den Sicherheitskräften durch die Stadt gejagt wurde.
Diese Ergebnisse zum Herbst 1989 ließen uns nicht mehr los und ich fühle es noch immer, als ob es gestern war.
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