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Maria Schmutzer: 800 Menschen mit brennenden Kerzen |
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Notizen aus der Wendezeit
Gestern, 27.10., war wieder große Demonstration bei uns. Diesmal dürften es mindestens 800 Menschen gewesen sein. Die Zwotaer erwarteten uns mit brennenden Kerzen an der ersten Kreuzung und wurden mit „Freudengebrüll" begrüßt. Auch waren diesmal viele Transparente dabei, wie „Freie Wahlen", „Neues Forum" usw. Auf der Hauptstraße gab es dann wieder Sprechchöre „Wir sind das Volk", „Freie Wahlen", „Freiheit", „Stasi (Staatssicherheit) in die Volkswirtschaft" und „Schnitzler (Chefkommentator bei unserem Fernsehfunk) in die Muppet-Show". Vor der Kreisleitung der SED blieb der Zug stehen und alle hielten ihre Kerzen hoch. Als wir an der Kirche ankamen, war sie schon gerammelt voll. Es gab wieder sehr gute Reden z.B. über den alleinigen Machtanspruch der SED und den immer noch möglichen Machtmissbrauch, oder gegen den Wehrkundeunterricht in den Schulen. Martinas ehemalige Deutschlehrerin freute sich, dass die Menschen bei uns endlich wieder zu denken und zu sprechen lernten. Auch ein Gedicht von Ernst Thälmann (sinngemäß: Ich bin stolz ein Deutscher zu sein) bekam viel Beifall mit „Deutschland, Deutschland" Rufen. Nur der Genosse Kreishygienearzt musste sich „Aufhören, Aufhören" anhören. Er kam dann sichtlich aus dem Konzept. Nächsten Freitag ist wieder um 19 Uhr ein Treffen in der Kirche und das bedeutet 18.00 Uhr Abmarsch ab dem Neubaugebiet. Wie mir der Briefträger vorhin erzählte, war in Auerbach gestern eine ähnliche Stimmung. In der Zeitung wird aber nur einige Tage später auf der Lokalseite davon berichtet. Aber scheinbar zieht es doch langsam immer weitere Kreise. |
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