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Im Kurzurlaub in Dresden (meiner alten Heimatstadt)bin ich in der aktuellen Super Illu auf den Beitrag zum Herbst 89 aufmerksam geworden und möchte meine Erlebnisse mitteilen. Im Frühjahr 1988 musste ich meinen Grundwehrdienst von 18 Monaten antreten. Allerdings nicht in den Reihen der NVA sondern beim MdI bzw. den Kasernierten Einheiten der Bereitschaftspolizei in Dresden. Ich war damals 24 Jahre alt, verheiratet und hatte auch schon 1 Kind. Eigentlich war ich froh in der Heimatstadt den Dienst ableisten zu können, auf die Erlebnisse am Ende der Dienstzeit hätte ich allerdings gern verzichtet. Die angenehmen Seiten waren die Einsätze zum Absichern von Fußballspielen, damals spielte Dynamo Dresden ja noch international. Im Herbst 89 waren wir allerdings geächtet. Als die Prager Botschaft die Ausreisewilligen abschieben wollte, wurden die Züge durch den Dresdner Hauptbahnhof geleitet, für meine Begriffe unverantwortlich. Wir erhielten den Befehl auszurücken um den Bahnhof abzusichern. Wir mussten durch Dresden fahren, da die Kaserne am gegenüberliegenden Ende der Stadt war. Schon in der Innenstadt schlug uns der Hass entgegen. Es war gut, dass unsere Fahrzeuge vergittert waren, denn die Passanten waren zu allem entschlossen. Im Hauptbahnhof spielten sich dramatische Szenen ab. Kinderwagen wurden auf die Gleise gestellt um die Züge aufzuhalten. Schottersteine wurden aus dem Gleisbett genommen um als Wurfgeschoss gegen uns verwendet zu werden. Menschen standen mit gepackten Koffern auf Brücken, bereit um auf den fahrenden Zug aufzuspringen. Am brutalsten waren die Einsatzkräfte der Berufspolizei. Ohne Rücksicht wurde vom Schlagstock gebrauch gemacht und viele Festnahmen getätigt. Ich musste mit meinem LKW "Gefangene" in unser Objekt verbringen. Den Leuten wurde nicht mal Zeit gegeben aufzusteigen, sie wurden an Armen und Beinen gepackt und über die Ladebordwand geworfen, wo andere Beamte warteten. In unserem Objekt stellte man diese Widerständler mit gespreizten Beinen, die Arme auf den Rücken gebunden und mit der Stirn an die Wand gelehnt bei strömenden Regen in Reihe auf. Zum Glück hatte ich dann einen Defekt am LKW und konnte mich auf meine Dienststube zurückziehen. Aber es war keine Erholung und kein Nachdenken über das erlebte möglich. Wegen der Nachrichtensperre war es nicht mal möglich irgendeine Nachricht nach draußen zu bringen, um einfach mitzuteilen, dass man wohlauf ist. In den kommenden Tagen gab es fast stündlich Einsatzalarm. Die Kameraden die so wie ich kurz vor Ende der Dienstzeit bei den bewaffneten Organen standen, waren natürlich besonders darauf bedacht heil nach Hause zu kommen. Wir brachten dann unser Bandmaß (war ein Brauch bei NVA und BePo und kündigte die letzten 150 Tage an) außen für jeden sichtbar an unsere Einsatzuniform an. Jeder Zivillist der um den Brauch wusste, kam dann zum Dialog auf uns zu. Es war klar, wäre ich zu dem Zeitpunkt nicht im Grundwehrdienst gewesen, würde ich auf der anderen Seite stehen. So konnten wir etwas die Gewaltbereitschaft herunterfahren, denn es waren oftmals Schreckensmomente, wenn wir mit einer Hundertschaft, tausende Demonstranten aufhalten sollten. Oftmals war Schlimmeres nur durch einen schnellen Rückzug zu vermeiden. Am 27.10.89 wurde ich aus dem Dienst der Bereitschaftspolizei entlassen und erlebte wenig später die Öffnung der Grenzen. Allen Zivillisten die zu der Zeit zu Schaden gekommen sind, sei nochmals gesagt, dass auf der anderen Seite oftmals nur Wehrpflichtige standen, die vielleicht wie ich nur noch ein paar Tage zu dienen hatten und letztendlich nur ihre eigene Haut retten wollten. Nach dem Zusammenschluss von Ost und West, bin ich berufsbedingt in den Schwarzwald ausgewandert und lernte hier auch die negative Seite dieses Systems kennen.
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