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Der folgende Bericht wurde von Alin Uhlig, Schülerin der Klasse 10a der Mittelschule Gablenz, verfasst. Sie gibt darin den Inhalt eines mit Frau Marlene Förster geführten Zeitzeugeninterviews wieder. (Der Name Marlene Förster wurde aus Datenschutzgründen geändert)
Marlene Förster war Chefsekretärin in der Armee. Ihr Chef war der Oberst.
Die Eltern einer sehr guten Freundin von ihr hatten einen Ausreiseantrag gestellt. Durch diesen Umstand verschwanden die Eltern spurlos und die Freundin (damals 19 Jahre alt) stand elternlos da. Nach einigen Wochen kam die Nachricht der Inhaftierung beider Elternteile. Erst Jahre nach der Wende wurden beide freigelassen.
Marlene verbrachte viel Zeit bei ihrer Freundin, da sie von nun an alleine ohne ihre Eltern klarkommen musste und versuchte sie zu unterstützen. Marlenes Arbeit bei der Armee und ihrer Nähe zu Ausreisewilligen, hatten sie ins Visier der Staatssicherheit gerückt. Sie wurde oft von dieser verhört und unter Druck gesetzt. Sie wurde sogar angeworben zum Inoffiziellen Mitarbeiter, um ihren Vorgesetzten zu bespitzeln, da sie eine sehr gute Position dafür gehabt hätte.
Jedoch weigerte sie sich in den Dienst der Staatssicherheit einzutreten. Sie wollten auch, dass Marlene in die Partei eintritt. Sie wurde von der Stasi verfolgt und bespitzelt. Marlene kam mit dem ganzen Druck der auf sie ausgeübt wurde nicht klar und beschloss „nach Drüben" in den Westen zu flüchten. Sie plante innerhalb von zwei bis drei Wochen ihre Flucht, die sie dann tatsächlich mit einer anderen guten Freundin durchführte, ungefähr 3 Tage bevor die Grenze geöffnet wurde, was damals niemand geahnt hatte. Marlene führte mit sich in den Westen nur eine Reisetasche, dessen Inhalt nur aus Kleidung, etwas Geld, ihrem Zeugnis, und ein paar Andenken aus der vergangenen Zeit, wie z.B.: Bilder und ein Türschild, bestand. Sie hatte alles zurückgelassen. Ihre Wohnung hatte sie nicht gekündigt, genauso wenig ihre Arbeitsstelle, ihre Familie hatte sie verlassen, genauso wie ihre ganzen Freunde und ihren gesamten Hausrat.
Marlene und ihre beste Freundin wurden mit dem Auto von den Eltern der Freundin zum Karl-Marx-Städter Hauptbahnhof gefahren. Vom Bahnhof fuhren die zwei jungen Frauen alleine weiter mit dem Zug in die Tschechische Republik nach Prag. Dort stiegen sie um, in die schon bereitgestellten „Flüchtlingszüge" nach Hannover. In Hannover angekommen, übernachteten sie zwei bis drei Tage in einer Turnhalle. Dann wurden alle Flüchtlinge aufgeteilt in Gruppen und wurden Familien zugewiesen, die hilfsbereit waren und willig, DDR Bürger aufzunehmen. Marlene und ihre Freundin kamen bei einer älteren Dame unter, die in Emden an der Nordsee wohnte.
Von Marlenes Flucht aus der DDR wussten nur wenige. In Kenntnis gesetzt hatte sie nur ihre Eltern, einen Klassenkameraden und den Hausmeister ihrer Arbeitsstelle. Nicht einmal ihren beiden Schwestern hatte sie in ihre Fluchtpläne eingeweiht. Wie sich später herausstellte war der Hausmeister ein Inoffizieller Mitarbeiter der Stasi. Durch diesen erfuhr die Stasi von der Flucht Marlenes, sie sandten ein Fax an die Tschechische Grenze, in dem stand, dass sie die Flucht Marlenes unbedingt verhindern sollten, weil sie als Staatsfeind galt, da sie als Chefsekretärin Einblick in geheime Akten gehabt hatte. Aus unbekannten Gründen konnte sie jedoch nicht gefasst werden.
Durchs Fernsehen erfuhr Marlene, die schon im Westen war, von der Grenzöffnung und war erleichtert über diesen Umstand. Sie verbrachte 8 Monate im Westen, dann kehrte sie zurück zu ihrer Familie. Als Marlene Jahre später, nach der „Stasizeit" ihre Akte anforderte, erkannte sie, dass auch engste Vertraute sich der Staatssicherheit verschrieben und sie somit ebenfalls beschattet hatten.
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