Mein Herbst 89 - Erlebnisberichte
 
Eine Aktion von
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Schirmherr der Aktion
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BM Wolfgang Tiefensee
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Robert Arnold: Teilnahme an den Montagsdemonstrationen

Der folgende Bericht wurde von Robert Arnold, Schüler der Klasse 10a der Mittelschule Gablenz, verfasst. Er gibt darin den Inhalt eines mit Herrn Dieter L. geführten Zeitzeugeninterviews wieder. Dieter L. beantwortete Fragen zu seinen Erlebnissen des Herbstes 1989.

Der Unmut machte sich bei mir bemerkbar, als ich zu meiner Verwandtschaft in den Westen fuhr. Durch verschiedene Sachen wurde ich auf die Missstände in der DDR aufmerksam, z.B.: das riesige Warenangebot, die unbegrenzte Reisefreiheit, die Ordnung und Sauberkeit ...

Ich besuchte die Montagsdemonstrationen viermal. Dort erlebte ich große Begeisterung und viel Mut, weil so viele daran teilnahmen, obwohl niemand wusste, wie die Demonstration verlaufen würde, ob vielleicht in Kürze Soldaten auftauchen würden und uns alle festnehmen würden. Die Redner bekamen sehr viel Beifall und wurden für ihre Arbeit von den Bürgern geachtet.

Ich hatte auch manchmal komische Gefühle, da ich nicht wusste, wer neben mir stand, ob es ein Stasi-Spitzel war oder ein echter Unterstützer der Wende.

Die Einstellung, die ich zu den Kundgebungen hatte, waren, dass man zur damaligen Zeit die Hoffnungslosigkeit der Führung der Regierung erkannte, denn man erreicht allein und als einzelner gar nichts, aber als große, geschlossene Menge erreicht man sehr viel und da es alle Bürger in der DDR betraf, war man nie allein und hatte immer Unterstützung.

Ich hatte schon 1984 die Möglichkeit in den Westen zu gehen, da ich damals zu der Silberhochzeit meines Bruders eingeladen war, aber ich habe nie daran gedacht „drüben" zu bleiben. Der große Konsum reizte mich nicht. Ich hatte meine Familie, meine Freunde im Osten und außerdem wollte ich nicht noch mal ganz von vorn anfangen und mit nichts dastehen. „Heimat ist Heimat", sollte ich alles zurücklassen, Eltern, Geschwister, Freunde und alles was ich bis dahin geschafft hatte? Die Antwort war „NEIN!"

Die sozialistische Gesellschaft hatte ihre Vorzüge in der Gemeinsamkeit, dem besseren Zusammenleben und der Sicherheit. Die kapitalistische Gesellschaft - dort fehlen oft die menschlichen Werte. Und was man als Freiheit bezeichnet, ist nicht immer Glück und Zufriedenheit. Das erfuhr ich durch die Medien, wie zum Beispiel Fernsehen, Radio. Ich schaute auch täglich die Nachrichten in ARD.

Ich war nicht sehr überrascht, dass die Wende kam, da alles darauf hindeutete, dass sie kommen musste. Und auch heute möchte ich die DDR nicht zurück.

Der Mensch ist ein Materialist, deswegen, glaube ich, konnte sich die Gesellschaftsform nicht halten. Im Vordergrund stand damals der Mensch und jetzt steht das Geld im Vordergrund.


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