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Eines Tages erschien einer, den sie über 25 Jahre bespitzelt hatten und der nur noch eingeschränkt arbeiten durfte und dessen Tochter trotz sehr guter schulischer Leistungen keinen Oberschulplatz bekam, mit einer OPK - Akte („den müssen wir disziplinieren"). Es war einer, der noch als Genosse gegen die Einführung des wehrpolitischen Unterrichts in der Schule auftrat. Einer, der ohne Chance auf einen Campingplatz an der Ostsee oder auf ein Visa nach Ungarn, auf der Reise zur Kur in Bad Elster war. Einer, der einen völlig durchgerosteten und daher nicht mehr fahrbereiten „Saparoshez" in der Garage hatte; eine PKW Bestellung mit inzwischen 17 Jahren Laufzeit und keiner Aussicht auf Lieferung, dafür ein Werkstattverbot für seinen altersschwachen Trabant de Luxe (25 Jahre alter Genexwagen von den Eltern.
Für diesen Jemand war der 9. November 89 ein Freudenfest. Das der dann aktiv die Wende mitgestaltet hat, ist für so einen Ehrensache. Die weitaus größte Zahl seiner Kollegen (so um die 600) aber stand der Wende äußerst passiv gegenüber. Natürlich wurde beim Frühstück, im Zug oder am Abend in der Kneipe über die aktuellen Verhältnisse diskutiert. Man schimpfte, diskutierte und ging seiner Arbeit nach, wenn auch nur häufig mit einem Kartenspiel, weil das Material fehlte.
Einige schickten am 7. Oktober noch ihre Kinder zum Jubelfest zum aufgekratzten Honecker nach Berlin, um ja nicht die eigene Karriere und die des Kindes zu versauen (irgendwann nach dem 9. November sind sie dann in die SDP eingetreten). Nach dem Motto: „Nicht zu weit herauslehnen. Man kann ja nie wissen." Sie schauten ganz verdutzt aus den Fenstern als an der Pforte die Scouts der Preussag mit dicken Mercedes auffuhren, um die Lage zu sondieren. Dieses erinnerte irgendwie an manche Situation um 1945 als Spähtrupps mit Panzern in die Städte einzogen, die gerade die weiße Fahne gehisst hatten. Also, so eine alle erfassende Massenbewegung war die Wende nicht. Und bei näherer Betrachtung des Erlebten werde ich den Eindruck nicht los, dass die, die die Wende aktiv gestaltet haben, nur die nützlichen Idioten waren, die quasi als Komparsen das umsetzten, was irgendwo im Zimmerlein einer Parteihochschule Anfang der achtziger Jahre ausgeheckt wurde. Wie können wir den Klassenfeind besiegen. Ich denke da nur an die damalige Parole „Überholen ohne Einzuholen". Mir geht da eine Informationsveranstaltung der Parteigruppenorganisatoren von 1981, die halbjährlich durchgeführt wurde, nicht aus dem Kopf. Am Ende der Veranstaltung referierte ein Mitarbeiter der Kreisleitung, der gerade die Parteihochschule absolviert hatte, über die aktuelle Versorgungslage. Am Ende seines Referats sprang er quasi auf den Tisch und ließ den Satz stehen bezüglich „Überholen ohne Einzuholen", „Wir wissen jetzt, wie wir es machen. Es dauert vielleicht noch 3-4 Planperioden, dann haben wir sie". Die im Präsidium wachten aus ihrer Agonie auf, sahen sich fragend an und bekamen die Mäuler nicht mehr zu. Der Redner verließ fluchtartig das Pult. Also, wie die Wende dann problemlos gelaufen ist: Der Auftritt Gysis auf dem Alexanderplatz, der „Versprecher" von Schabowski. Unglaublich, wie schnell sich die SED mit der ganzen alten Bagage und den senilen Papas in PDS umgenannt hat; einfach ein neues Firmenschild über das alte getüncht. Wie sie alle abgetaucht sind; die Stasimitarbeiter und die führenden Genossen vor Ort. Keiner war mehr in der Stadt zu sehen. Dafür hatten sie dann irgendeinen Job in der Verwaltung oder beim Getränkehandel. Dort, wo sie keiner kannte. Und überall, sowohl im DA als auch im Neuen Forum und in der SDP hatten sie ihre Stasispitzel in Führungspositionen. Spurenvernichtung im Osterfeuer fand statt mit den Stasiakten, die in die neuen Führungspositionen geschoben werden sollten. Schon bei den ersten Wahlen nach der Wende, als es noch die DDR gab, war keiner mehr für irgendetwas verantwortlich. Als wir ihnen im Plenum gesagt haben, dass sie für den Schlamassel verantwortlich sind, haben die nur gegrinst. Dann folgte die Nostalgiewelle, Sicherung des Wählerpotentials im Osten. Im Westen, um den man ja eigentlich kämpft, geht es nicht vorwärts. Man bekommt nicht so richtig den Fuß in die Tür. Man braucht eine neue Haut; der Coup, die „Linke", Oskar Lafontaine als nützlicher Idiot. Die Strategie geht auf! Vielleicht untersuchen die Historiker einmal die Wende unter diesem Gesichtspunkt. Dieses wäre sicherlich interessant... Wie es auch sei, ich bin froh darüber, dass wir die mit oder ohne Strategie losgeworden sind. Aber: „Holzauge sei wachsam!"
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