Mein Herbst 89 - Erlebnisberichte
 
Eine Aktion von
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Schirmherr der Aktion
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BM Wolfgang Tiefensee
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Wolfgang Sundern: Wie ich den Mauerfall verschlief

Vor vielen, vielen Jahren als noch die Könige der dunklen Roten SED herrschten, wollten Jürgi und das Wölfchen zwei Burschen im mittleren Alter, die nicht mehr mit den Machenschaften der Herrscher einverstanden waren, von einem Deutschen Teil in den Anderen wechseln.
Sie planten und planten, bis Sie zu dem Entschluss kamen, die Sache klappt!!!
Aber denkste, die Schergen der Wandlitzer Könige waren schneller als jeder Interzonenzug und holten sie in Öbisfelde am Grenzbahnhof aus ihrem Versteck.
Mit 14 Kaschis im Anschlag wurden die Beiden zurück gebracht und mussten für Ihren Mut das Regime zu verlassen sehr schwer über all die Jahre büssen, bis hin zu einem kuriosen Tag im Herbst '89, denn man nannte sie von Seiten der Partei" Arbeiter-Verräter ". Es floss über Jahre sehr viel Wasser die Saale hinab bis, ja bis....
An einem Tag des Herbstes '89. Sehr früh am Morgen, trank das Wölfchen seinen Morgenkaffee, (Kosta für 7,50 Mark in Aluchips)und machte sich mit dem Werkstatt-Trabbi auf den Weg zu seinem Kollegen und mit ihm in Richtung Schielo im Harz in das Herz-Kreislauf Sanatorium um dort die Defekten Waschmaschinen Instand zu setzen, wie es Ihre Arbeit war.
Wölfchen pfiff und trällerte so einige Liedchen vor sich hin, damit sein Kumpel nicht in seinen oft praktizierten Trabbischlaf fiel, denn er schnarchte wie ein Rheinländer nach 5 Litern Kölsch. Autoradio gab es, sie waren aber nicht so einfach zu bekommen (Mawa - Mangelware oder Bückdich-Sortiment - unterm Ladentisch)und für den Intershop fehlte dem Chef die DMchen. Also war es nicht möglich Radio zu hören und so blieb man auch so lange dumm, bis die Mitmenschen einen über die neusten Nachrichten informierten.
Die Kunden warteten im Schnitt 6 Wochen auf eine Reparatur und waren froh, wenn der Trabbi der Firma vor der Wäscherei zum stehen kam. Meistens kamen der Hausmeister oder die Wäscherinnen gleich heraus gerannt, halfen die Ersatzteile und Werkzeugkisten zu tragen, damit die Monteure nicht zu sehr überfordert wurden, auch gab es zu gegebener Zeit so manchen Schmaus, um die Stimmung zu heben.
Aber an diesem Tag nichts der Gleichen, kein Hausmeister, keine Wäscherin, nicht einmal ein Weißer Kittel flitzte über das Klinik-Gelände, wie es sonst der Fall war. Wölfchens Kumpel Bernd sagte seine ersten längeren Sätze, die so viel bedeuteten wie hoffentlich haben die was zum Frühstück für uns und einen großen Pott Kaffee.
Mit Ihren Kisten stolperten die Zwei in die Waschküche und staunten nicht schlecht, dass außer ihnen keiner da war.
Wölfchen schaute in seinen Notizkalender und stellte fest, Sie waren an richtigen Platz und auch zu richtigen Zeit.
Das noch etwas vom Fahrtenlärm im Trabbi in Mitleidenschaft gezogene Gehör kam langsam wieder in Ordnung und Wölfchen vernahm sehr intensive Geräusche aus der angrenzenden Bügelstube und entschloss sich sofort nachzusehen.
Ach, du Heiliger Geist, es war nicht zu glauben was er da sah.
Eine große lange Tafel aus Bügeltischen war da aufgebaut und mit dem schönsten Leckereien gedeckt.
Er lachte sehr laut und sagte zu der vor ihm stehenden Wäscherei-Chefin: „Aber nicht so viel! Die Tafel reicht ja für eine Hochzeit, wir Monteure begnügen uns doch mit einem Mettbrötchen und einem Pott Kaffee, das ist doch bestimmt nicht für uns, ihr musstet doch auch warten."
Sie sagte ja, wir feiern, wir feiern heute den ganzen Tag und freuen uns.
Wölfchen schaute wohl so verdutzt, dass die Waschfrau ein ernstes Gesicht machte und uns Beide
nach dem Neusten fragte.
Ihr wist wohl gar nichts. Als von uns Beiden nicht kam sagte sie: „Die Bonzen, ja die Bonzen haben die Mauer aufgemacht, wir können fahren und reisen wohin wir wollen."
Ich bekam eine Gänsehaut und meine Knie wurden weich, sodass ich mich bei meinen Kollegen Bernd am Kittel festhalten musste.
Da lachte die Wäscherin und goss uns Kaffee mit den Worten ein: „Es kommen gleich Nachrichten, da könnt ihr es hören".
Ja, da bleibt nun nur noch zu sagen, dass eine Schnellreparatur und die Heimfahrt folgte.
Bernd musste fahren, ich hatte immer noch die Gänsehaut und zu dem noch feuchte Augen.
Und das schlimmste war: Ich hatte den Mauerfall verschlafen.


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