Mein Herbst 89 - Erlebnisberichte
 
Eine Aktion von
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Schirmherr der Aktion
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BM Wolfgang Tiefensee
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Siegrun Wolde: Von Montag zu Montag kamen immer mehr Menschen

Den Herbst '89 verbrachte ich in Magdeburg. Im September waren Freunde am Montag Abend in den Dom gegangen und berichteten von den Protesten. Danach war ich regelmäßig dabei. Von Montag zu Montag kamen immer mehr Menschen; 120, 200, 400, 1000,... An einem Montag, noch bevor die Demonstrationen begannen, war es sehr stürmisch. Während die etwa 1000 Menschen der Rede lauschten, flog die Eingangstür auf. Uns allen stockte für Sekunden der Atem. Wir hatten Angst und wir waren jedesmal froh und dankbar, wenn wir heil zu Haus ankamen. Wir sahen auch die Bereitschaftspolizisten zurück in die Kaserne fahren. Wir standen an der Haltestelle, als die Fahrzeuge an uns vorbei fuhren. Wir winkten den Polizisten zu, froh und dankbar, dass alle die Nerven behalten hatten. Von verständnislosen Passanten bekamen wir dafür Schelte. Die Zeit verging wie im Fluge. In den Arbeitspausen wurden Transparente angefertigt, diskutiert und Widersprüche/Eingaben formuliert und Briefe verfasst. Als Erkennungszeichen für Gleichgesinnte galt ein 40 Zentimeter (= 40 Jahre DDR) langes, grünes Band. Eines abends, auf dem Weg zur Montagsdemo, fragte der Straßenbahnfahrer, ob wir nicht noch ein Band für ihn hätten. Natürlich! Wir banden es draußen an den Spiegel. In der Woche des 9. November wurde das neue Reisegesetz bekannt. Es waren weitere Änderungen notwendig. Ich jedenfalls ging am Abend des 9.11. zum Fotografen, damit ich meinen Reisepass beantragen konnte. Ich wollte startklar sein. Danach besuchte ich Freunde, die mitten im Umzug steckten. Einen Fernseher gab es dort noch nicht. Ein Westsender lief im Stern-Recorder. Wir erzählten und diskutierten viel. Irgentwann wunderten wir uns, dass auch im Radio nur gequatscht wurde. Als wir lauter stellten, hörten wir eine Ärztin aus Magdeburg, die mit ihrem Wartburg mal schnell in den Westen gefahren war. Das ganze Ausmaß dieser Nachrichten wurde mir an diesem Abend nicht bewusst. Am nächsten Morgen kam ich zur Arbeit und die Nachtschwester freute sich:"Schön, dass du schon da bist, dann kann ich duschen. Ich will dann zum Bahnhof, mir ein Taxi nehmen und nach Helmstedt fahren!". "Helmstedt, wo liegt das?", fragte ich und merkte, dass ich erst mal Nachrichten hören musste.


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