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Am 8.11.89 verließ ich meine Heimatstadt Lutherstadt Wittenberg. Ich flog mit meiner Tochter von Berlin nach Prag; was damals auf uns zu kam wussten wir nicht. Wir sind auf dem Prager Flughafen gelandet, da fragten wir erstmal ob jemand wüsste wo die Botschaft ist. Der junge Mann, der auch in Berlin Schönefeld ins Flugzeug eingestiegen ist, sagte, ihr braucht nicht zur Botschaft fahrt, mit der Taxe zum Bahnhof, von dort aus fahren dann die Züge.
Er sagte zu mir, nimm deine Tochter, ich nehme die Reisetasche mit. Es war etwas blauäugig von mir, aber ich tat es trotzdem und wartete am Prager Bahnhof. Der junge Mann war natürlich nicht da. Ein wenig fassungslos war ich dann schon. Zu der Zeit wusste ich noch nicht, dass der junge Mann schon mit einem Zug früher weg kam. Gegen 23 Uhr fuhr der nächste Zug mit Flüchtlingen.
Ich bekam einen Platz für mich und meine Tochter im Abteil. Früh am nächsten Morgen fuhr unser Zug in Schirndingen ein. Ein paar uniformierte Leute kamen in den Zug und fragten, ob jeder in Ordnung sei. Mich persönlich sprachen sie dann auch an und wollten meinen Namen, den meiner Tochter und unsere Adresse wissen.
Ich hatte Angst, dachte, es ist alles aus ich werde nun verhaftet. Ich machte mir aber umsonst Sorgen, denn der junge Mann hatte meine Reisetasche in Schirndingen bei der Bahnhofsmission abgegeben, worauf unsere Personalien standen. Leider hatte der junge Mann seinen Namen nicht hinterlassen. Wir wurden in den nächsten Zug reingesetzt, für die Weiterfahrt von Schirndingen nach Hamburg.
Besonders war, dass an den Bahnhöfen viele Leute standen und uns mit Obst, Milch und Schokolade versorgten. Es war einmalig. In Hamburg wurden wir mit einem Bus nach Schwarzenbek in eine Bundeswehrkaserne gefahren. Auch dort wurden wir wieder versorgt. Es war überwältigend, so viel Hilfe zu erfahren. Das war eine große Leistung; die Leute verdienen auch heute nach 20 Jahren immer noch Dank!
Auch der junge Mann der meine Tasche mitnahm verdient ein Dankeschön. Mir wäre es am liebsten, diesem Mann mal persönlich zu danken, auch nach zwanzig Jahren. Denn er weiß es bestimmt noch. Es liegt mir sehr am Herzen. P.S.: Vielleicht kann sich der Mann noch an meinen Personalausweis erinnern.
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