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Reinhart A.O. Roesch: Urlaub am Balaton |
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An die damalige Zeit erinnern meine Frau und ich uns genau. Wir hatten durch private Vermittlung in Budapest preiswerte Übernachtungsmöglichkeiten erhalten, denn mit den vorgeschriebenen 30 MDN pro Tag und Person konnte man nicht weit kommen. Im September 1989 hatten wir uns zu einem Urlaub in Ungarn entschlossen und da fing das Dilemma schon an. Ein Einreise- oder, wie es damals Ausreisevisum genannt wurde, war bisher immer erforderlich. Aber, die bewegte Zeit machte auch vor den DDR-Ämtern nicht Halt. Niemand war so verunsichert wie z.B. die Deutsche Volkspolizei. Sollten sie? Durften sie, oder wie, was?
Nach etwa vierzehn Tagen hatten wir unsere Visa und fuhren los. Am Grenzübergang Zinnwald mussten wir erst einmal in die Warteschlange. Nach circa 45 Minuten Kontrolle und Befragung rollten wir in die damalige ?SR ein. Bei Bratislava übernachteten wir in einem Privathaus. Man hatte sich schon auf die flüchtenden DDR-Bürger eingestellt und winkte bereits an den Zufahrtsstraßen, die zu preiswerteren Quartieren führten, heraus. In Ungarn angekommen, fiel immer mal wieder ein abgestellter Trabant mit DDR-Kennzeichen auf. Oha…! Von unserer Vermittlerin hatten wir noch kleine Hinweise bekommen, wie die Reisekasse etwas aufzubessern ist. Bettwäsche! Ein in Ungarn sehr gefragter Artikel, denn die Ausfuhr aus der DDR war damals verboten. In zwei Stunden verhökerten unsere Wirtsleute die Textilien und wir hatten ein paar Tausend Forint mehr in der Tasche. Dank dieses Zusatzgeldes konnten wir uns noch angenehme Tage in Budapest machen.
An eine „Republikflucht“ hatten wir, entgegen der allgemeinen Euphorie, überhaupt nicht gedacht, da unser Zuhause, mühsam erworben und ausgebaut, in Halle an der Saale war. Auf der Rückreise gönnten wir uns noch einen Tag am Balaton. Inzwischen hatten sich auch die Ungarn von ihrer Volksrepublik verabschiedet und die ehemaligen Nationalfahnen hatten runde Löcher erhalten. Die Rückfahrt verlief angenehm, da wir doch ein etwas einsames Fahrzeug auf der Europastraße waren. An die verdutzten Gesichter der Grenzer und Zollbeamten der DDR erinnern wir uns noch heute; da kommen doch noch welche zurück. Keine Kontrolle, einfach durchgewinkt. Das heute vereinigte Europa zeigte schon 1989 seine ersten Ansätze. Und das war gut so!
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