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Geboren am 5.1.1946 in Dessau, dann der Umzug ins Ruhrgebiet nach Dorsten, als ich kaum 1 Jahr alt war. Durch ständige Besuche in Dessau verliebte ich mich dort und bekam mit 17 Jahren einen Sohn. Zog also nach Dessau. Als die Liebe zerbrach wollte ich zurück, zumal auch das Jugendamt der Stadt Dorsten mich zurückholen wollte. Man erklärte mir in der Abteilung für Innere Angelegenheiten, dass man mich bis zur Grenze bringe aber mein Kind bleibt, da es in Dessau geboren wurde und es kommt ins Heim. Welche Mutter verlässt ihr Kind? Ich musste dann unterschreiben, dass ich aus freien Stücken in Dessau bleibe. Ich habe mich somit selbst eingesperrt. Alles wurde mir weggenommen. Mein Ausweis, Zeugnisse, Bilder usw. Es folgten harte Jahre durch die Macht der Staatssicherheit. Mein Sohn wurde mit 14 Jahren inhaftiert, weil er zur Oma wollte. Nie werde ich vergessen, in welchem Zustand er sich befand, bei meinen Besuchen. Der Spruch an der Wand lautete: "Wenn ihr wollte, dann helfen wir euch, wenn nicht züchtigen wir euch." Das war auch so. Das Klacken der Eisentüren hat mich bis in den Schlaf verfolgt z.B. wurde mein Sohn 3 Tage an eine Tür gefesselt - Er kam 6 Wochen in eine Psychatrie in Bernburg. Dort sind angeblich alle Unterlagen verschwunden. Vollgepumpt mit Medikamenten, von denen er nicht weiß, was es war. An den Folgen leidet er noch heute. Kein Arzt hilft ihm, er soll die Vergangenheit ruhen lassen. Wie denn, wenn er von Jahr zu Jahr mehr austickt? Nun aber zum eigentlichen Thema. 27 Jahre durfte ich meine Mutter nicht besuchen. Nach einer Beschwerde in Berlin bin ich selbst hingefahren und habe gesagt, ich bleibe solange sitzen, bis man mir sagt, warum ich nicht reisen darf. Ansonsten soll man mich ausweisen. Meine Kinder, ein Sohn und eine Tochter waren inzwischen erwachsen. Im Februar 1989 bekam ich dann die Genehmigung nach Essen zu meiner Mutter zu reisen. Ich konnte es kaum glauben. Trotz hohem Fieber bin ich zurück, aus Angst nie wieder fahren zu dürfen. Zu erwähnen wäre noch, dass ich nach meiner Scheidung von meiner neuen Liebe getrennt wurde, von der Staatssicherheit, weil mein Freund bei der Kripo gearbeitet hat. Er wurde sofort entlassen. Drei Mal wurde durch meinen Sohn meine Wohnung durchsucht. Es waren harte Jahre. Als 1989 die Grenze geöffnet wurde, glaubte ich an einen Irrtum. Die Freude war riesig. Ich habe auch an einigen Kundgebungen teilgenommen. Wo sind nur die Kämpfer geblieben, die riefen „Wir sind das Volk"? Was mir am meisten auffiel, dass Trinker wie Pilze aus der Erde schossen. Das hat mich sehr bewegt. War ich in Berlin habe ich stets gerufen: „Berlin - Tor der Welt", ich durfte ja weder in Ungarn noch im Osten Urlaub machen. Da ich arbeiten musste, bin ich nicht wie alle anderen sofort losgefahren, das Pflichtbewusstsein hatte gesiegt. Meine Tochter mit Familie fuhr und kam nicht wieder. Ich bin dann 1993 nach und habe meinem Sohn die WG-Wohnung übergeben, samt Möbel. Meine Tochter lebt jetzt im Münsterland, Südlohn und ich sitze hier in Marl und habe erst jetzt erkannt, dass inzwischen Dessau meine Heimat geworden ist. Ich fahre oft nach Dessau und Berlin. Aus Hoffnung wurde Frieden, der aber vielen Menschen die Arbeitslosigkeit brachte, Vergessen kann man die Repressalien durch die Staatssicherheit nicht. Einblicke in meine Stasi-Akte haben mich tief erschüttert. Darum sollte man es nicht vergessen und auch solche Berichte bringen, dass so etwas nicht in Vergessenheit gerät. Mein damaliger Name war früher Petra Rauchfuß, den Stasi-Bericht habe ich schriftlich erhalten.
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 Bildmaterial mit freundlicher Genehmigung von Matthias Erler
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