Mein Herbst 89 - Erlebnisberichte
 
Eine Aktion von
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Schirmherr der Aktion
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BM Wolfgang Tiefensee
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Dr. Lothar Speer: Stimmung im Westen

Hallo nach Berlin,
mein Herbst 1989 ist ganz unspektakulär verlaufen und als Ureinwohner des Rheinlandes habe ich daran auch vielmehr betrachtend, als selbst agierend teilgenommen.

Am 9. November 1989 fand in Bonn im Friedrich-Ebert-Gymnasium die
Jahrestagung nordrhein-westfälischer Geschichtslehrer statt, die drei
Kollegen und ich (Jahrgang 1949, noch als Trizonesier in Köln geboren)
besuchten. Um Kosten zu sparen, waren wir mit einem Auto unterwegs. Auf dem
Rückweg nach Bergisch Gladbach ereilte uns die Nachricht, dass in Berlin
einiges im Gange sei und die Mauer geöffnet werden sollte. Wir konnten es
kaum glauben, was da über den Äther kam.
Der Abend war dann ein Fernsehabend mit den bewegenden Bildern aus Berlin,
nachdem die Mauer geöffnet war. Wir waren begeistert.

Zu dieser Zeit unterrichtete ich einen Leistungskurs Geschichte, und den
November über war der Fall der Grenze unser Thema. Es wurde heiß diskutiert,
wie es mit der deutschen Geschichte weiter gehen würde. An den Wochenenden
machten sich einige Schüler, mit einem Hämmerchen im Gepäck, auf den Weg, um ein Stück Mauer zu ergattern. Peter K. brachte auch mir ein Stückchen mit, das ich heute noch besitze, trotz mancher Umräumaktionen.

Die Begeisterung hielt an, solange wir das Gefühl hatten, die Neugestaltung unseres Staates würde auch zu unserer Sache werden, indem wir z.B. in Form einer Volksabstimmung über eine neue gemeinsame Verfassung abstimmen dürfen. Als entschieden war, dass wir nicht gefragt werden sollten, ebbte bei mir die Begeisterung sehr schnell ab, denn die positiven Emotionen, die am 9.11.1989 geweckt worden waren, verloren sich in dem Gefühl, dass wir die
Entscheidungen der Politik hinzunehmen haben.

Der 3.10. als nationaler Feiertag weckt ebenfalls keine besonderen Gefühle. Denn er ist wenig geeignet, das zu feiern, was die Bürgerinnen und Bürger der DDR geleistet haben, um den real existierenden Sozialismus zu überwinden. Da lobe ich mir doch die Franzosen, die mit dem 14. Juli ein emotionales Ereignis zu ihrem Nationalfeiertag erklärt haben. Historisch gesehen ist der Sturm auf die Bastille ja eher ein untergeordnetes Ereignis.

Soweit meine Erlebnisse und Erinnerungen.

Viele Grüße nach Berlin
Dr. Lothar Speer
Bergisch Gladbach

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