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Mein Name ist Ursula Herz und was ich erlebt habe, kann ich heute noch gar nicht richtig glauben.
Meine Freundin Hannelore M. ist im Oktober über Ungarn - Österreich in den Westen abgehauen. Ihre Tochter Simone hat sofort einen Ausreiseantrag abgegeben. Am 10. November 1989 nachdem die Mauer gefallen war, erhielt Simone mit ihrem Sohn Fabian die Ausreisegenehmigung. Sie musste am 10.11.1989 die ehemalige DDR bis 24 Uhr über Marienborn verlassen haben. Sie durfte nicht über Westberlin. Also mussten wir jemanden finden, der uns mit dem Auto Richtung Helmstedt über Marienborn bringt. Meine Freundin lebte zu der Zeit in Krefeld. Sie hatte mit einem guten alten Freund hier in Strausberg und Neuenhagen telefoniert. Um 19 Uhr kam unser Auto mit Herrn Seeger, er hatte meiner Freundin versprochen uns heil nach Helmstedt zu bringen. Zu der Zeit wussten wir aber noch nicht, dass die Autobahn Richtung Westen verstopft war. Nur im Schritttempo sind wir mit dem Auto voran gekommen. Der kleine Fabian, zu der Zeit 2 Jahre alt, hatte im Auto viel geweint. Der gute alte Freund Herr Seeger fing schon an zu erzählen, dass wenn es nicht bald weiter geht, er wieder mit uns zurückfährt. Ich dachte, ich hätte mich verhört, doch ca. eine halbe Stunde später hielt er an und sagte zu uns, dass er wieder zurückfährt. Entweder wir steigen hier aus oder wir kommen wieder mit zurück. Es war zu der Zeit fast 22.30 Uhr, aber ich habe nicht lange überlegt und wir sind ausgestiegen. Mit Sack und Pack standen wir auf dem Mittelstreifen. Die anderen Autos fuhren im Schritttempo an uns vorbei. Ich weiß heute nicht mehr genau, wie oft ich die Autofahrer gefragt habe, ob sie uns mitnehmen können. Ich hatte vor lauter Aufregung vergessen, dass wir ja drei Personen mit viel Gepäck waren. Aber ich hatte dann endlich Glück, wir konnten bei einem Mann mit einem 311 Wartburg einsteigen. Er kam aus Magdeburg und war auf dem Weg zu seiner Mutter. Im Auto sagte ich zu dem Mann "Entschuldigen Sie bitte, was haben Sie gedacht als ich Sie fragte ob Sie uns mitnehmen könnten?" - "Wollen Sie das wirklich wissen?" fragte er, "Ja!" habe ich gesagt. "Ich habe gedacht, Sie sind eine Verrückte." Wir haben noch viel erzählt, er hat uns dann an der ersten Tankstelle Helmstedt aussteigen lassen. Es war früh 3.30 Uhr. Von dort aus habe ich die Tante angerufen. Sie hat uns dann abholen lassen. Dort angekommen habe ich erstmal ein bisschen geschlafen. Als ich langsam wieder wach wurde, hörte ich wie Simone mit ihrer Mutti telefonierte. Simone sollte mit Fabian mit dem Zug nach Krefeld fahren. Ich sollte wieder per Zug nach Hause fahren. Ich hatte kaum Geld dabei, vor allem aber war ich noch fix und fertig von dem, was ich auf der Autobahn erlebt hatte. Das alles hat meine Freundin nicht interessiert, die Hauptsache war, dass ich es geschafft hatte Simone und Fabian nach Helmstedt zu bringen. Was aus mir wird war ihr egal. Die Tante in Helmstedt hat mir Essen und Trinken gegeben und einen Bekannten angerufen, der mich dann von dort abholte. Wir kannten uns aus DDR-Zeiten. Sie besuchten meine Freundin öfter. Sie haben mit mir zusammen die 100 Westmark abgeholt, die es damals einmalig gab. Die Familien Parlo und Müller haben mich so verwöhnt, ich habe auch noch ein paar Geschenke bekommen. Am Nachmittag hat mich Herr Parlo zum Zug gebracht, der mich wieder nach Berlin fahren sollte. Es war der 11.11.1989.
P.S. Mit meiner Freundin habe ich seit dem 11.11.1989 keinen Kontakt mehr.
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Bildmaterial mit freundlicher Genehmigung von Matthias Erler.
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