Mein Herbst 89 - Erlebnisberichte
 
Eine Aktion von
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Schirmherr der Aktion
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BM Wolfgang Tiefensee
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Ilse Rosenhagen: Ein kleiner Beitrag zum großen Tag der Deutschen Einheit

Fast ein Jahr ist vergangen, nachdem sich diese, so schmerzliche Grenze geöffnet hat. Im Laufe dieses Jahres folgten noch mehrere Fahrten, ohne Zwangsumtausch und diese verhassten Formalitäten, nach „drüben". Doch immer noch mit einem beklemmenden Gefühl, wenn die Demarkationslinie in Sicht war. Nun sollte am 3. Oktober 1990 die lang ersehnte Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten vollzogen werden. Es darf kein „Drüben und Hüben" mehr geben. Ich meine, wer Einigkeit und Recht und Freiheit besingt, der muss auch persönliche Opfer leisten.

Dieses denkwürdige Ereignis wollten mein Mann und ich bei Verwandten und Freunden vor Ort miterleben. Gemeint ist „Thüringen, das grüne Herz Deutschlands". Jahrzehntelang durfte dieser Begriff nicht offiziell gebraucht werden. Das hätte gegen die Abgrenzungspolitik verstoßen. Jetzt ist das alte Symbol als Zeichen der Hoffnung wieder auferstanden. Hoffnung auf ein freies, besseres Leben! Denn bei vielen Bürgern stehen leider noch wirtschaftliche Probleme im Vordergrund. Die Freude der Menschen äußerte sich verhaltener als an jenen Novembertagen 1989.

Am Vorabend des 3. Oktober wurde ein ökumenischer Gottesdienst abgehalten. Aus der Predigt ging unter anderem hervor: Trotz Dankbarkeit und Freude über die Vereinigung, die Sorgen und Ängste der Menschen nicht zu vergessen. Nach dem Kirchgang traf man sich im Gasthof von Kaltenborn, einem kleinen Ort bei Bad Salzungen, mit liebenswerten Einwohnern. Ein reichhaltiges Angebot erwartete uns. Wie schon im Bericht der Dezemberausgabe von 1989 unseres Gemeindebriefes erwähnt, ein gastfreundliches Land. Auf den Tischen im Gasthof lagen Texte bereit mit unserer Hymne, die nun in absehbarer Zeit auch die ihre sein sollte. Um Mitternacht gingen wir gemeinsam hinaus und sangen bei Kerzenschein die dritte Strophe des Deutschlandliedes. Man konnte in hoffnungsvolle, aber auch nachdenkliche Gesichter sehen. Vor allem haben wir auch an liebe Menschen gedacht, die nicht mehr unter uns lebten und sich diesen langersehnten Tag gewünscht haben.


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