Mein Herbst 89 - Erlebnisberichte
 
Eine Aktion von
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Schirmherr der Aktion
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BM Wolfgang Tiefensee
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Ilse Rosenhagen: Ein Besuch in der DDR im November 1989

Seit über dreißig Jahren genießen wir die „Thüringer Gastfreundschaft", doch diese Reise im November 1989 wird uns noch lange in Erinnerung bleiben. Mein Mann und ich durften hautnah miterleben, wie Tausende von Bürgern die Kirche zum Friedensgebet aufsuchten. Dicht gedrängt stand man auf dem Vorplatz, die Kirche konnte nicht alle fassen. Die Veranstaltung wurde per Lautsprecher nach draußen übertragen. Danach sprach uns ein Herr an, mit Tränen in den Augen sagte er: „ Nach 40 Jahren habe ich zum erstenmal wieder gebetet. Erst in der Wahrheit ist die Freiheit zu erkennen." Es war schon ergreifend.

Noch am Sonntag vor dem Regierungsrücktritt mussten wir Folgendes erleben: Mittags waren mein Mann und ich bei lieben Bekannten zum Essen eingeladen. Auch ihr Schwiegersohn, der bei der Armee war, fand sich dort ein. Am nächsten Morgen lag eine telefonische Anzeige vor, da ein westdeutsches Auto vor dem Haus gestanden hätte. Bis Donnerstag musste er eine Stellungnahme dazu abgeben. In der Nacht zuvor kam die lang ersehnte, doch unverhoffte „Wende". Der junge Mann brauchte sich nicht mehr zu rechtfertigen und entging so einer, sicher nicht unempfindlichen Strafe.

Am Wochenende nach der „großen Wende", in Bezug auf die Reisefreiheit, suchten wir die Abteilung für Pass- und Anmeldewesen der Volkspolizei auf, um uns für die Rückreise abzumelden. Auch hier stand eine unübersehbare Menge von Menschen, die sich ihren Stempel im Pass holen wollten, um einen Ausflug in den Westen zu machen. Fast beschämend war es, als man uns wortlos den Vortritt gab. Ich hatte noch nie so viele geduldige Menschen getroffen, sie mussten stundenlang anstehen, danach wiederholte sich das Warten vor der Staatsbank. Am Abend war das Dorf, in dem wir uns am Stadtrand von Eisenach aufhielten, fast ausgestorben. Bis auf überwiegend ältere Einwohner, unsere Verwandten und uns aus der BRD, waren alle mit ihrem Trabi oder Wartburg unterwegs.

Bei dem Wort Wartburg fällt mir noch ein: Auf unserem Heimweg an der Wartburg vorbei, meine ich festgestellt zu haben: Das goldene Kreuz hoch oben, von der Herbstsonne angestrahlt, hat noch nie so schön geleuchtet.


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