|
Kapitän F. Sakuth: Zwischen Sassnitz und Trelleborg |
|
Auch ich möchte mich mit einem kleinen Beitrag an der Aktion Wo waren Sie 1989? beteiligen.
Ich hatte im August 1989 das Kommando über das neu erbaute Fährschiff SASSNITZ II", das zwischen Sassnitz und Trelleborg verkehrte, übernommen.
In meinem Buch „Sohn der sieben Weltmeere", herausgegeben vom Frieling- Verlag, liest es sich wie folgt, ich zitiere: "Es war schon eine turbulente Zeit seit dem Fall der innerdeutschen Mauer am 9.11.1989 und auch die straffe Leitung unseres Fährschiffsamtes begann zu bröckeln. Unser Chef wurde für Sonderaufgaben abkommandiert, die Politabteilung hatte Funkstille und keiner konnte uns so recht sagen, in welche politische Richtung wir uns bewegen werden. ......... Einschneidende Maßnahmen wurden auch in unseren Arbeitsverhältnissen wirksam. Es hieß eines Tages, dass unsere Berufung zum Kapitän durch den Minister für Verkehr nicht mehr akzeptabel wäre und wir Kapitäne schriftlich den Antrag auf Abberufung stellen möchten...............Mit der Bestätigung der Abberufung erhielten wir gleichzeitig einen Arbeitsvertrag als Kapitän zu gleichen Konditionen. In kurzer Zeit musste ich mich dann zweimal um „meine" Stelle als Kapitän bewerben."
Mit dem Fall der Mauer stieg auch bei uns auf den Fährschiffen das Fahrgastaufkommen rapide an. Viele Menschen aus dem Süden der DDR kamen an Bord und wollten einmal in die Freiheit fahren. Einige Menschen aus Dresden sind z.B. mit dem Nachtzug auf die Fähre gefahren und wollten in Trelleborg nur einmal kurz an Land gehen, um ein wenig „freie Erde" zu holen. Sie sind dann mit der gleichen Fähre wieder zurück nach Deutschland gefahren. Mit dem Ansteigen des Reiseverkehrs stiegen natürlich auch die Probleme mit den Passagieren an Bord, die geklärt werden mussten. Hatten wir zu DDR-Zeiten 50 - 100 Personen pro Fahrt an Bord, in Spitzenzeiten im Sommer mal 200 oder 300 Personen, so hatten wir plötzlich oft 800 bis 1000 Passagiere an Bord. Riesig war das Bedürfnis vieler Leute, die gewonnene Reisefreiheit in vollen Zügen zu genießen. Es war so, als hätte man in einem Stausee die Schleusen geöffnet. Heute hat sich das Leben hier weitgehend normalisiert, man hat erkannt, dass die gewonnene Reisefreiheit nicht mehr genommen werden kann.
F. Sakuth
|
|

|
|