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Welche Gefühle bewegten mich am Vorabend des 40. Jahrestages der DDR?
Eine Woche vor der Festveranstaltung zum Staatsjubiläum plante ich einen Kurzurlaub in Dresden. Die gerade abgeschlossene Dissertation, bestätigte Verteidigung für den 21.12.1989, brachte mich noch wiederholten Überarbeitungen zunehmend in innere Zerwürfnisse. Das im alten Denken zu Papier gebrachte, erschien immer weniger glaubhaft. Die Thesen zur Dissertation lagen im Entwurf vor, ich stand nachts auf, grübelte und feilte an Formulierungen, aber die Unzufriedenheit nahm zu. Das aktuelle Zeitgeschehen stimmte mit jedem Tag nachdenklicher, es kam zu Gewissenskonflikten.
Zurück nach Dresden: (Urlaub) In der Nacht zum 5.Oktober weckten mich Krawalle in der Prager Straße Richtung Hauptbahnhof. Im Schlaf gestört, mache ich mich auf den Weg zum Ort des Geschehens. Angeblich ahnungslos, stellte ich an der Rezeption auch noch eine Frage zu den Krawallen und erhielt die schlagkräftige Antwort: „Wir Sachsen müssen für euch Mecklenburger die Kastanien aus dem Feuer holen". Am Bahnhof Absperrungen, Polizeiaufgebot, umgestürzte Autos, zerschlagene Fenster und Transparente mit eindeutigen Forderungen, durch Sprechchöre untermauert wie: "Wir wollen raus", „Stasi in die Produktion", etc. Als systemtreuer Bürger verhielt ich mich teilnahmslos, jedoch in Gedanken versunken. Im Kopf bündelten sich viele Erinnerungen und Überlegungen, bis hin zu den Ereignissen am 17.Juni 1953, damals Leutnant in einem Pionierbataillon, den Mauerbau am 13.8.1961 ... Zu dieser Zeit glaubte ich an die Konterrevolution des „Klassenfeindes", mit dem Ziel der Kriegsvorbereitung. Mit Gorbatschow und dem was jetzt geschah, nahmen die Zweifel zu und alles geriet in ein anderes Licht. Mein Urlaub endete am 6.10.1989 und mit vielen Umständen verbunden (Rückreise per Eisenbahn und Taxi), erschien ich pünktlich zur Festveranstaltung zum 40.jahrestag der DDR, an der Agraringenieurschule. Für meine zehnjährige Tätigkeit als stellvertretender Direktor, die Auszeichnung als „Aktivist der sozialistischen Arbeit", die letzte Ehrung in der DDR. Alles lief an diesem Tag in den gewohnten Gleisen, jedoch in gedrückter Stimmung.
Die Festrede hielt mein Nachfolger und so blieb mir diese „würdevolle" Aufgabe erspart. Die Rede war kritisch im Rahmen des Möglichen und es gab nach wie vor keinen Grund, an der Sieghaftigkeit des Sozialismus zu zweifeln. Die Studenten hatten für das neue mehr Gespür als die Lehrer. Viele scharrten sich um das „Neue Forum". Ein Vertreter der Bezirksleitung der SED verhielt sich an diesem Tag besonders arrogant und meinte in der Lehrerrunde:"...die Aktivitäten des Klassenfeindes (z.B. Neues Forum etc.), genau zu überwachen, vorläufig sei etwas mehr Toleranz angebracht, bis sich die Lage wieder stabilisiert hat." Die Masse der Lehrer glaube nicht an einen Zusammenbruch des Sozialismus. Nachdenklichkeit setzte ein, als ein Lehrer vom Westbesuch nicht zurückkehrte.
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