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Wolfgang Menzel: Grenzenlos |
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Als Rentner durfte ich in den Westen fahren, und kannte daher bei meiner Reise am 4. November 1989 nach Hamburg die grimmigen Gesichter der Grenzer und die Durchsuchungen des Wartburgs zur Genüge. Am Abend des 8. November besuchten wir das Musical „Cats“ in Hamburg, nach der Vorstellung telefonierte ich nichtsahnend mit meinem Sohn in Darmstadt. Am Morgen des 9. November, wir saßen beim Frühstück, klingelte das Telefon, wir sollten den Fernseher einschalten, die Mauer ist offen.
Ungläubig und fassungslos schauten wir in den Fernseher und waren uns der Tragweite des Geschehens nicht bewusst. Nach dem Frühstück traten wir ohne jegliche Emotionen die Heimreise an. Wir wunderten uns nur, dass alle entgegenkommenden Fahrzeuge wie verrückt hupten. Auf der Autobahn staunten wir über die vielen DDR-Fahrzeuge und fingen an zu begreifen, dass nicht nur die Mauer offen war, sondern auch die gesamte Grenze. Am Grenzübergang herrschte ein totales Chaos. Für mich war es wohltuend, ohne Angst einem höheren Grenzer zu sagen, dass sie nicht in der Lage sind, ohne Befehl von oben außergewöhnliche Umstände zu bewältigen. Worauf er wortlos unsere Pässe nahm und uns sagte, wir sollen gleich nach ganz vorne zur Passausgabestelle fahren. Nach kurzer Zeit kamen unsere Pässe an und wir konnten heimwärts fahren.
Am ersten Parkplatz fiel die Anspannung von uns ab und wir realisierten in etwa, was geschehen war. Da haben wir erstmal geweint, vielleicht sogar vor Freude. Ob wir in diesen Momenten realisierten, dass unsere Kerzendemos im Oktober in Leipzig der Anfang vom Ende war, glaubte ich noch nicht. Das kam erst später.
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