Mein Herbst 89 - Erlebnisberichte
 
Eine Aktion von
logo_dg
logo_superillu
logo_bsa
logo_20jahre
 
 
Schirmherr der Aktion
bm_tiefensee
BM Wolfgang Tiefensee
bmvbs_c_m2
 
 
Ina Becker: Mauerfall in Tunesien

Wo waren wir, als die Mauer fiel? Was haben wir im Herbst 1989 erlebt?

Wir saßen mit zwei befreundeten Familien im Hotel "Narjess", in Houmt Souk, auf der Insel Djerba in Tunesien. Wie kamen wir als DDR- Bürger dahin? Wir arbeiteten damals für 3 Jahre als Lehrer und Erzieher an der Botschaftsschule der DDR in Tripolis, der Hauptstadt Libyens. Unsere "Herbstferien" nutzten wir für einen Kurzurlaub nach Tunesien, auf die Insel Djerba. Da die Grenzen von Libyen nach Tunesien seit einiger Zeit offen waren, nutzten wir die Gelegenheit zu dieser Reise. Als wir an diesem 9. November 89 nach einem schönen Tag am Strand, nach einer Reittour durch das Umland zurückkamen und uns im Hotelfernseher die Nachrichten der Tagesschau ansehen wollten, (DDR- Fernsehen hat man natürlich nicht empfangen), erzählte man uns schon an der Rezeption: "Bei euch in der DDR ist die Mauer auf - alle gehen rüber!" Wir konnten es kaum glauben, hatten natürlich in den Wochen davor über die Botschaft die Neuigkeiten aus der Heimat aus Pit- Sendungen erfahren. Auch unsere Eltern aus Altentreptow und Prenzlau hatten uns im wöchentlichen Briefkontakt informiert, was zu Hause passierte. So weit entfernt von der Heimat, war alles noch viel schwerer für uns zu verstehen. Für uns war das Wichtigste, dass wir als Familie (mein damaliger Mann, unser 7- jähriger Sohn und ich), zusammen hier waren. Da viele Botschaftsangehörige dann ihre schulpflichtigen Kinder im Juli 1990 nach Hause fliegen ließen, konnten auch wir unsere Arbeit dort beenden und flogen in unsere Heimatstadt Prenzlau zurück. Dort waren wir froh, als wir erfuhren, dass unser Haus und Grundstück nicht an Eigentümer aus dem Westen zurückgegeben werden musste. Wir konnten auch wieder als Lehrer an unseren alten Schulen arbeiten, was uns manche nicht gönnten, denn als Auslandskader galt man für einige als "Privilegierte", die am besten gar keine Arbeit mehr bekommen sollten. Ich wohne noch heute in Prenzlau und arbeite immer noch gern als Lehrerin an einer Grundschule. Ich kann immer noch nicht alle Ereignisse vom Herbst 1989 richtig einordnen und verstehen. Viele Dokumentationen von damals habe ich mir immer wieder angesehen, und bin sehr froh darüber, dass alles so friedlich verlaufen ist und es meiner Familie heute gut geht. Doch sehr gern erinnern wir uns an die 3 schönen Jahre in Libyen.


leerbild03