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Ich möchte Sie gern an meinen Erinnerungen an den Herbst 1989 teilhaben lassen, weil ich denke, daß es zu dieser Zeit einige gab, die nicht die Chance hatten, tanzend durch das Brandenburger Tor zu gehen.
Ich erinnere mich noch als wäre es gestern gewesen. Als in der damaligen DDR zu Montagsdemos aufgerufen wurde, befand ich mich mit vielen anderen Bauarbeitern an der Erdgastrasse ca. 4000km weit weg von zu Hause im Vorural. Keiner kann sich vorstellen, was wir in dieser Zeit nervlich durchgemacht haben. Der letzte Urlaub war im Sommer 1989 und alles, was wir auf der Baustelle zu erfahren bekamen, waren gezinkte Fernschreiben. Was allerdings gestimmt hatte, waren die Fußballergebnisse der Oberliga. Genaueres konnten wir nur von den Urlaubern erfahren, die gerade von zu Hause wieder auf die Baustelle kamen. Unsere Kraftfahrer, die auf Nachtschicht waren, konnten meist zwischen 2 - 3 Uhr den Deutschlandfunk empfangen und erzählten uns, was sie zwischen dem Rauschen im Radio hören konnten. Den Mauerfall habe ich von einem Mitbewohner, der gerade aus der Nachtschicht kam, erfahren. Ich konnte das Gesagte überhaupt nicht einordnen, es war einfach unfassbar. Meine Gedanken gingen nach Hause zu meinen Eltern und Geschwistern, ich wußte nicht, ob es Ihnen gut ging. Es war einfach schrecklich.
Trotz alledem mußte ich zur Arbeit, konnte nicht mal eben nach Berlin fahren. So lief ich bei minus 20° durch den Schnee und die Schneeflocken kühlten meine von Tränen geröteten Augen. Ich fühlte mich einfach hilflos, so weit weg von zu Hause.
Und als wir bei unserem nächsten Urlaub im Dezember 1989 nach Hause fuhren, war alles vorbei. Auf unser Begrüßungsgeld mußten wir leider verzichten, da diese Aktion längst Geschichte war. Dafür haben einige andere gewußt, wie man es doppelt und dreifach abholen konnte.
Abschließend möchte ich dazu sagen, daß ich die geamte Wendezeit zeitmäßig schlecht einordnen kann, es ist als fehle mir ein Stück Film. Bei Gespräche über die Wendezeit muß ich mich dann meist zurückhalten und kann kaum mitreden, weil mir das, was ich erlebt habe, kaum einer glauben will.
Es stimmt, was Herr Tiefensee gesagt hat, die Erlebnisse sollen nicht vergessen werden, denn diese Zeit hat mich für mein ganzes Leben geprägt. |
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