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Der Abend des 7. Oktober nahe dem Alexanderplatz in Berlin, Hauptstadt der DDR. Ein Angehöriger der FFw erinnert sich:
Für mich - und sicher auch für andere Beteiligte - war es eine der brisantesten Situationen im Einsatzleben. Als ich als Fahrer unseres „W- 50" Tanklöschfahrzeugs zur Feuerwerks- Absicherung am 7. Oktober 1989 eingeteilt worden war, schien alles noch seinen „sozialistischen Gang" zu gehen. Nachdem wir unseren Standort am Leninplatz eingenommen hatten, lauschten wir die Radio- Nachrichten verschiedener Sender, um über die neuesten Entwicklungen und Ereignisse der damaligen Zeit in unserem Land informiert zu sein. Es lag ja eine brisante Stimmung in der Luft, da die Rufe vieler nach Reformen und Veränderungen den DDR- offiziellen Verlautbarungen wie „Konterrevolution" und „Rückreformierung" konträr gegenüberstanden. Als plötzlich die West- Nachrichtenstimme im Rauschen der MfS- Störsender unterging, war unsere Stimmung noch recht heiter. Das änderte sich jedoch, als ein Offizier vom Kommando der F zu uns gelaufen kam und erregt über „Zusammenrottungen" berichtete. Diese hätten sich auf dem Alexanderplatz formiert und bewegten sich stadtauswärts, also in unsere Richtung. Die Aufforderung des Feuerwehr-Hauptmanns, unsere Fahrzeuge mit schöpferischer Initiative defensiv zu formieren und auf Gewalteinwirkungen gefasst zu sein, sorgte für nervöse Stille im dunklen Fahrzeug. Zigaretten glühten auf und erhellten das Fahrzeuginnere gespenstig.
Die Republikfeiertagsfreude war beendet, obwohl über uns das Feuerwerk donnerte und Unmengen von zischenden Sternen die Umgebung periodisch in gleißend bunten Farben erscheinen ließ. Was tun in einer solchen Situation? Ich prüfte die schweren Kupplungsschlüssel gedanklich auf ihre Nahkampftauglichkeit und stellte das Löschwasser- System auf den Einsatz mit der „Löschkanone" um. Blieb nur zu hoffen, dass deren exakte Bezeichnung Wendestrahlrohr an diesem Abend nicht wirklich einen wörtlichen Sinn bekommen sollte. Plötzlich kamen zivile Lada- PKW´s unter auffallender Missachtung der StVO herangerast, aus denen gepäcktragende Lederjacken- Zivilisten sprangen und sich in den Hochhäusern am Leninplatz verteilten. Kurze Zeit später sahen wir truppenbesetzte W 50- Pritschen- LKW´s, die an der Front mit riesengroßen rot- weiß bemalten und vom Scheinwerferlicht durchfluteten Streckmetalltafeln montiert, die Leninallee heruntergeschossen kamen, und das war für uns natürlich eine nie gesehene Szenerie! Uns wurde schnell klar, dass die hastigen Lederjacken- Genossen in Ausübung ihrer Dienstpflicht und unter Verwendung ihres mitgeführten Equipments die marxistisch- leninistische Idee verteidigen wollten.
Wie wir heute alle wissen, gelang dies vorerst auch. Kurze Zeit später war der Spuk am Leninplatz vorbei und bald verkündete die DDR- Nachrichtenstimme siegessicher und ungestört die erfolgreiche Verhinderung staatsfeindlicher Provokationen im Zentrum von Berlin, Hauptstadt der DDR. Auch wir waren in Ausübung unserer Dienstpflicht vor Ort, als der historische Wind der Erneuerung auch bei uns die Wende einzuleiten half, den der sympathischste aller KPdSU-Generalsekretäre - der damals im Westfernsehen öfter zu sehen war als im DDR- Fernsehen - in edelster Absicht gesät hatte. In verbrecherischer Absicht, behaupten Andere. Es war genau der Abend, an dem es in der Hauptstadt zu den teils brutalen Übergriffen der Sicherheitsorgane gegen Demonstranten gekommen ist. Was uns von den Lederjacken- Genossen unterscheidet? Nun ja, wir sind heute noch im Dienst...
Es sei hier betont, dass dies meine persönlichen Eindrücke und Wertungen aus dieser Zeit sind, für die ich natürlich keinen Maßstäblichkeitsanspruch erhebe. Aber ich denke im Namen vieler zu sprechen, wenn ich sage, dass es letztlich die Besonnenheit aller Beteiligten war, die den friedlichen Verlauf der DDR- Wende in die Geschichtsbücher geschrieben hat.
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