Mein Herbst 89 - Erlebnisberichte
 
Eine Aktion von
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Schirmherr der Aktion
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BM Wolfgang Tiefensee
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Peter Scheffler: Vereintes Silvester und erste Begegnungen

Teil 1: Erinnerungen eines Bahnbegleiters

... Aber noch schöner war es dann, als ich noch 1989 nach Berlin ging, denn kurze Zeit später fiel die Mauer. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt Dienst und stand genau vor dem Brandenburger Tor. Unmittelbar hinter mir wurde ein Stück aus der Mauer herausgehoben. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich nicht mehr was vor sich geht. Einerseits war es einfach toll und andererseits war es zu diesem Zeitpunkt nicht zu deuten.

Als ich dann zur nächsten Nachtschicht ging und sah, dass die Menschen Schlange standen, um nach Westberlin zu kommen und auch die Westberliner in den Ostteil kamen, da war mir ganz komisch. Man kann dieses Gefühl nicht erklären. Auf einmal war die Mauer auf.

Um alle Eindrücke aufzuschreiben bzw. die vielen Geschehnisse in dieser Zeit zu notieren bräuchte man eine ganze Weile. Man sollte sich das erste gemeinsame Silvesterfest vorstellen, auch das konnte ich wiederum am Brandenburger Tor selbst miterleben.

Ich möchte eher sagen, ich stand in dem Eingang der polnischen Botschaft Unter den Linden, eingeklemmt wie ein Hering und stieß dort mit den Botschaftsangehörigen und wildfremden Personen auf das neue Jahr an. Es war einfach herzzerreißend und schön. Aber es gab auch eine Schrecksekunde zum Ende des Jahres, als am Brandenburger Tor ein aufgestelltes Gerüst für die Medienleute unter dem Gewicht mehrerer fremder Personen zusammenbrach und es viele Verletzte gab. Es ist fast Chaos ausgebrochen, weil die Massen von Menschen sich ja eigentlich nicht rühren konnten. Aber unter großen Anstrengungen konnten dann alle Verletzten versorgt werden. Auch von dieser Begebenheit hört man heute nichts mehr. Aber naja, ich habe es eben miterlebt, hautnah.

Unmittelbar nach dem Mauerfall kam eine Westberliner Familie auf mich zu und bat mich darum, mich mit ihnen fotografieren zu lassen. Bis zu diesem Zeitpunkt wusste ich aber noch nicht, ob die Mauer offen bleibt, oder ob sie wieder geschlossen wird. Sollte diese geschlossen werden, hätte ich nach diesem Schnappschuss wohl eine andere Uniform anziehen müssen. Aber es ging alles gut und die Mauer fiel und ich konnte danach wieder in mein Vogtland zurückkehren.

Das Bild mit dieser Westberliner Familie könnte eines der ersten Bilder nach der Wende sein und daher hüte ich es wie meinen Augapfel.

Noch ein weiteres kleines Erlebnis möchte ich Ihnen mitteilen:
Als 1989 die Mauer gefallen war, wurde ich von dienstlicher Seite an die russische Botschaft geordert, um diese zu sichern. Vorher wusste ich aber nicht, dass diese russische Botschaft, welche sich Unter den Linden befand, zuvor durch uniformierte Polizisten bewacht wurde, welche aber gar keine richtigen Polizisten waren, sondern Staatssicherheitsleute in Uniform gekleidet.

Als dann aber die Mauer fiel, wurden diese Personen ausgewechselt und durch richtige Polizisten ersetzt. Das wussten aber die Menschen nicht. Als dann noch die BILD-Zeitung schrieb, dass sich vor der russischen Botschaft verkleidete Staatssicherheitsleute befinden, wurde ich, am Tag als dieser Bericht erschien, beschimpft, angespuckt und musste mir noch andere Beleidigungen gefallen lassen.
Das war natürlich eine sehr schlechte Erfahrung, welche ich gleich nach dem Mauerfall machen musste.

Was für mich auch sehr interessant war, ist die Tatsache, dass nachdem die Mauer am Brandenburger Tor gefallen war die Personen, die von Westberlin kamen und nach Ostberlin wollten, durch eine Zählkarte kontrolliert worden sind. Aber diese Zählkarten gab es nicht lange, weil sie eben nicht mehr aufzuhalten war - die Einigung.


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