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Viele Ereignisse der Wendezeit gehen mir durch den Kopf, aber was ist wirklich erwähnenswert?
In dieser Zeit ist ja an jedem Tag etwas geschehen, ständig gab es neue Ereignisse, Wendungen und Geschichten.
Vielleicht der 15. Januar 1990, an diesem Abend wurde das Stasihauptquartier in der Normannenstrasse gestürmt und so wie ich mich erinnere, hatten wir in Treptow abends „Runden Tisch". Pfarrer Hilse, unser Moderator, führte wie immer souverän durch die Tagesordnung und dann kam eine überraschende Information. Der Zahnarzt des Wachregiments der Staatssicherheit in Adlershof trat nach 22 Uhr auf und informierte uns darüber, das am Freitag in dieser Woche, Bürger über die Mauer klettern und das Wachregiment stürmen wollten.
Die Angst war zu spüren, dort sind wehrpflichtige junge Soldaten, wie werden die reagieren? Die hatten ja noch ihre Waffen. Welche Befehle wird es dann geben? Diese Zeit war ja auch irgendwie gesetzlos.
Was kann der Runde Tisch machen?
Dann war da auf einmal die Idee, ein Bürgerkomitee zu bilden und die Führung des Wachregiments aufzufordern, bis zum Donnerstag die sozialen Einrichtungen in Adlershof, das medizinische Zentrum, die Schwimmhalle und das Kulturhaus der Bevölkerung des Stadtbezirks zu übergeben. Nun gut aber wie das anstellen?
Der Zahnarzt, der Chef des Behindertenverbandes und ich waren dann an diesem Abend das „Bürgerkomitee Wachregiment". Als Vertreter des Runden Tischs wurde ich zum Chef des Bürgerkomitees bestimmt.
Wir machten unsere Forderung öffentlich, waren bei der „aktuellen Kamera" und beim Polizeipräsidenten in Berlin, dem war das Wachregiment gerade unterstellt worden. Er konnte nichts tun und wir meldeten uns im Wachregiment an, um unsere Forderungen zu verhandeln. Von Soldaten mit Uniform und Kalaschnikow wurden wir ins Hauptgebäude geführt. Den versammelten Offizieren fiel fast das Gebiss raus, weil sie ja ihren Zahnarzt erkannten.
Und dann ging es los.
Wir sagten was wir wollten und machten auf Konsequenzen aufmerksam, wenn nicht bis zum Donnerstag usw.. Das Gespräch dauerte nicht lange.
Am Donnerstag dem 18. Januar wurden unsere Forderungen erfüllt und die Einrichtungen für die Bürger in dem Stadtbezirk geöffnet.
Also kein Grund mehr am Freitag über die Mauern zu klettern. Es kletterte auch keiner mehr und so konnten wir das Bürgerkomitee am Freitag auch wieder auflösen.
Bildmaterial mit freundlicher Genehmigung von Matthias Erler
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