Wir schreiben den 9. November. Mein Neffe, gerade neunzehnjährig, bricht zu seiner Nachtschicht auf, die er als Jungkoch in einer Ostberliner Gaststätte wie immer pünktlich antreten will. Wie diese Schicht verlaufen ist, weiß heute außer ihm keiner mehr. Nur sein Nachhausekommen hat sich fest in mein Gedächtnis eingeprägt. Meine Schwester, ganz sorgende Mutter, wartete auf die Rückkehr ihres Sohnes. Diese verzögerte sich derart, dass sie, im Sessel sitzend, über ihrer Handarbeit eingeschlummert war. Geweckt wurde sie durch ihren Sohn, der sie fragte: „Mutti, rate mal, wo ich gerade herkomme?“ Halbverschlafen und froh, ihren Sohn zu Hause zu haben, guckte meine Schwester ihn nur fragend an. „Vom Kudamm“, lautete die Antwort, was seine Mutter zu der Erwiderung veranlasste: „Junge, du sollst doch nicht trinken.“