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Gilbert Wald: Gesagt, getan! |
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Ich habe den Herbst ´89 von der Westseite der Mauer aus kennen gelernt: nämlich in Westberlin. Zur Wendezeit war ich gerade volljährig geworden und lebte in Berlin Kreuzberg nahe der Oberbaumbrücke. Zur Berufsschule fuhr ich nach Tiergarten in die Nähe des Grenzüberganges des heutigen Hauptbahnhofes. Ich war von den Ereignissen in der DDR sehr aufgewühlt. In Westberlin spürte man förmlich die Spannung und das Knistern, welches in der Luft lag. Westberliner Radiosender wurden systematisch gestört (man hörte nur noch ein Zischen und Pfeifen und Rauschen während der Nachrichten). Sicherlich, die DDR-Regierung wollte die Informationen blockieren. Es gab noch keine Handys und kein Internet. Mit Unbehagen und Spannung verfolgte ich die Nachrichten im Fernsehen. Ich sah all die Menschen über Ungarn flüchten und fragte mich: Wie lange hält die DDR-Regierung noch durch oder knallt es irgendwann jetzt bald dann so richtig? Ich persönlich spürte zwar keine Angst um mein Leben aber ich fragte mich wie sich die Leute jenseits der Mauer wohl gefühlt haben müssen? Ich hatte schon immer den 17. Juni vor Augen, bzw. ich kannte es ja nur aus den Geschichtsbüchern. In der Berufsschule sprachen wir nur noch über die Situation unserer ostdeutschen Landsleute. Viele hatten Verwandte in der DDR und besonders in Ostberlin. Ich persönlich hatte zwar keine, aber auch für mich ging es war immer um unser gemeinsames deutsches Schicksal. Am 09. November 1989 ging ich bei Zeiten ins Bett und erfuhr von der Öffnung der Mauer erst am darauf folgenden Morgen. Ich hatte Berufsschule und wir hatten im ersten Block Sozialkundeunterricht. Unser Lehrer sagte, dass es nichts Besseres geben könne, als Geschichte live zu erleben, wenn wir jetzt gleich zum Grenzübergang gehen würden. Gesagt getan! Ausgestattet mit Plastikbechern und Sektflaschen liefen wir zum Grenzübergag am heutigen Hauptbahnhof. Dort strömten uns die Menschenmassen entgegen. In den Trabis und zu Fuß. Alle jubelten, wir reichten die Sektbecher weiter und es war eine einzigartige grandiose Stimmung. Wir klopften auf die Trabis und umarmten wildfremde Menschen. Es war ein Ereignis, welches ich in meinem Leben nie vergessen werde. Die Situation war mit keiner vergleichbar, die ich je erlebt habe. Immer wenn ich die Bilder im Fernseher sehe, erinnere ich mich mit Stolz daran, dass ich an diesem Tag dabei war – wenn auch von der anderen Seite der Mauer. Auch Tage und Wochen danach beschäftigte mich die Wende hautnah und direkt: Berufsbedingt zahlte ich als Bankkaufmann die 100,- Mark Begrüßungsgeld in der Bankfiliale aus. Heute bin ich glücklich verheiratet mit meiner Frau Jana. Sie ist aus Mecklenburg-Vorpommern und wir haben eine gemeinsame Tochter: Elisa, 13 Jahre alt. Ja, wir sind ein Ost/West Paar und es gab vieles, was wir uns in den 16 Jahren unserer Ehe von der jeweils andern Seite Deutschlands erzählen konnten.
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