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Von meiner Flucht über Ungarn bzw. den zweieinhalb Wochen Lageraufenthalt in Budapest möchte ich hier erzählen.
Am 24.08.89 begann unser Ausflug ins Ungewisse, zusammen mit meinem damaligen Ehemann und unseren beiden Mädchen (2 und 4 Jahre) im Trabant Kombi (vollbepackt bis unters Dach mit Campingausrüstung). 1000 DM hatten wir zusammengerollt im Zeltgestänge vesteckt. Alles andere ließen wir zurück, wir schlossen die Wohnung ab und keiner aus der Familie wusste Bescheid. In der Dunkelheit ging es los, unser Ziel: Österreich!
Der Trabi fuhr ohne Probleme, nur kurz vorm Neusiedlersee in Ungarn haben wurden wir durch Straßensperren, die Posten mit dem Gewehr im Anschlag, auf sehr rüde Art und Weise zurückbefohlen. Wenn wir nicht sofort verschwinden, kämen wir ins Gefängnis. Die Kinder haben keinen interessiert. Nach fast 20 Std. und brütender Hitze kamen wir nach Budapest, wo man uns mitteilte, dass die Botschaft nicht mehr zugänglich sei, da alle Flüchtlinge am Morgen ausgeflogen worden sind.
Wir fanden das Lager des Malteser Hilfsdienstes in den Budepester Bergen. Wir waren mit die Ersten von vielen tausend Folgenden. Wir hatten unser Privatzelt und mußten zum Glück nicht in so eine Massenunterkunft mit den kleinen Kindern. Fast 2 Wochen lang hat es geregnet, die sanitären Anlagen waren eine Zumutung. Ohne die Kinder hätte mich das alles nicht gestört. Die Malteser haben Unmögliches möglich gemacht. Der Anruf dann zu Hause bei den Großeltern (um zu sagen, wo wir uns befinden), bricht mir heute noch das Herz. Natürlich ist dort sofort die Stasi angerückt.
Am 11.09. wurde uns dann die Ausreise genehmigt. Wieder mit dem Trabi (aber ohne Campingausrüstung) ging es über Wien-Linz nach Passau. Dort wurden wir auf das Herzlichste empfangen. Mir geht es heute noch sehr nah, wenn ich an diese Menschen denke, die alle nur helfen wollten. Bei einem von ihnen waren wir am 09.11. zu Besuch, als das Fernsehen bekannt gab, das die Grenzen offen sind. Auf einer Seite war da große Freude - wir können die Familie wiedersehen, auf der anderen Seite schon ein klein wenig Enttäuschung, weil wir so viel durchmachen mußten, um die Grenze zu passieren.
Von meinem Mann bin ich (seit kurzem) getrennt, aber mit meinen Töchtern lebe ich immer noch im Passauer Land. Wir haben nichts bereut, aber so eine spektakuläre Flucht würde ich mit dem heutigen Verstand nie wieder mit zwei kleinen Kindern machen. Damals war ich 19 Jahre.
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Die Mädchen vor unserem Zelt bei ausnahmsweise schönem Wetter.
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